TV-Rateshow: Japanese Style Originator auf Netflix

Netflix TV-Show Japanese Style Originator

Die TV-Show Japanese Style Originator ist eine witzige japanische Rate-Show aus dem Jahr 2008 rund um japanische Traditionen. Moderator Kazuya Masuda führt durch die Sendungen. Unter seinen prominenten Gästen sind die Schauspieler Takeo Chii, Hisako Manda und Takahiro Azuma. Wir haben ungefähr die Hälfte der 54 Folgen auf Netflix gesehen und finden die Sendung sehr unterhaltsam – und sehenswert.

Die Show liefert tiefe Einblicke in die japanische Kultur, von Delikatessen über Kunst und Gegenstände bis hin zu Ritualen. In jeder Folge erfahren die Rate-Teilnehmer über mehrminütige Film-Einspieler, um welches Thema es jeweils geht. Die Zuschauer lernen viele Details über japanisches Kunsthandwerk oder auch Herstellungsprozesse typisch japanischer Kochzutaten wie Tofu oder Reis. Dazu werden schließlich Fragen gestellt, die selbst die prominenten japanischen Studiogäste nicht selten überfordern und deren Auflösung für viele „Ahhhh“ und „Soooooo“ sorgt.

Auch Japaner und eingefleischte Japankenner dürften bei Japanese Style Originator noch jede Menge dazu lernen. Nicht jedes Detail ist dabei zwangsläufig nützlich, interessant und amüsant ist es jedoch allemal.

Auf Netflix sind alle 54 Folgen der Show in Originalfassung mit englischen Untertiteln zu sehen. Die Länge der einzelnen Folgen variiert dabei teilweise stark. So ist die kürzeste eine knappe halbe Stunde lang, die längste Folge 161 Minuten.

Japanese Style Originator (1 Staffel mit 54 Folgen)
Zu sehen bei: Netflix
Weitere Informationen: IMDB

Tokyo Stories: Kochgeschichten aus Tokyo

Kochgeschichten aus Tokyo erzählt mein neues japanisches Kochbuch (eines von inzwischen annähernd vierzig), das nicht nur optisch Laune macht, sondern auch mit sehr speziellen Rezepten überzeugt: Tokyo Stories.

Jedes Mal, wenn ein japanisches Kochbuch auf Deutsch erscheint, freue ich mich im doppelten Sinne ganz besonders. Weil die japanische Küche eine schier unerschöpfliche Vielfalt bietet und damit jedes weitere Kochbuch nur eine Ergänzung sein kann. Und weil es bislang leider nach wie vor vornehmlich englische Übersetzungen gibt. Die machen mir das Nachkochen im Detail dann aufgrund der zahlreichen Fachbegriffe häufig doch zu mühsam. So nutze ich sie eher wenig.

Design Tokyo Stories Kochbuch

Tokyo Stories von Tim Anderson (selbst Küchenchef) ist ein künstlerisch wunderbar poppig aufgemachtes Buch. Mit zahlreichen tollen Fotos von Stadt, Leuten und Gerichten aus Tokyo. Und herrlich erfrischenden Geschichten und Informationen über die japanische Metropole, Küche und Kultur. Die Ummantelung in geprägten Reliefs und viel Gold, die feinen Kanten der Buchseiten in knallpink. Super!

Inhaltlich gegliedert sind die japanischen Rezepte und Geschichten im Buch nach Street Food, Local Food, National Food, Global Food, Home Food und Modern Food. Natürlich werden auch klassische japanische Zutaten erklärt, daneben gibt es Tipps für das Haltbarmachen von Lebensmitteln oder gekochten Speisen, und nähere Informationen zu Spezialitäten aus Okinawa und sogar der Ainu-Küche der Ureinwohner Sachalins und Hokkaidos.

Trauben aus dem Meer

Rezept mit Umibudo aus Okinawa
Umibudo (Meeresalgen)

Besonders gefreut habe ich mich, ein Gericht mit Umibudo (Meerestrauben) zu entdecken und zu erfahren, dass diese inzwischen sogar bei uns zu haben sind. Wir haben sie zum ersten Mal in Okinawa kennen- und lieben gelernt. Unser damals noch nicht ganz dreijähriger Sohn konnte davon gar nicht genug bekommen und hat sie fachkundig mit (Kinder-)Stäbchen aus Salaten oder von anderen auf dem Tisch stehenden Gerichten gefischt. Sie schmecken herrlich nach Meer und haben die Konsistenz von etwas festeren Fischeiern. Nähere Informationen zu diesen Grünalgen und eine Bestellmöglichkeit liefert zum Beispiel der Algenladen.

Erdbeer-Sandwich und Totoro-Windbeutel

Sehr leicht nachzumachen und zur Erdbeerzeit ein Traum: das Erdbeer-Sandwich. Anblick und Geschmack versetzen mich umgehend wieder in die trubeligen Straßen Tokyos an einen der zahlreichen bunten Stände mit diversen Frucht-Sandwich-Varianten im Angebot. Eine wirklich putzige Nachspeise lässt sich nach Rezept aus Tokyo Stories außerdem mit den Totoro-Windbeuteln kreieren.

Ich finde dieses Kochbuch sehr schön, interessant aufgemacht, die Rezepte vielseitig bis ausgefallen, dabei leicht verständlich aufgebaut. Wer Lust auf abwechslungsreiche japanische Küche zu Hause hat und dabei gerne auch noch ein wenig mehr über Tokyo erfahren möchte, liegt damit jedenfalls definitiv richtig.

Tokyo Stories, Kochbuch, gebundene Ausgabe
Autor: Tim Anderson
Verlag: Südwest Verlag
Bezugsquelle: s. Verlagsseite – beim Buchhändler des Vertrauens

Die Zeit am Puls – Armbanduhren aus Japan

Uhren japanischer Hersteller sind aus Büro, Sport oder Freizeit nicht wegzudenken. Für viele von uns waren und sind sie ein täglicher Begleiter. Manche von uns haben sie besonders fasziniert, wie mich.

„Die Zeit ist wie ein Fluss aus Zement.“ (Murakami)

Einige Zeitmesser aus Japan sind Designikonen. Andere sind eher technisch bemerkenswert. Was ihren Wiedererkennungswert und ihren Nutzen angeht, stehen sie ihren hochpreisigen schweizerischen Vettern in nichts nach. Und sie können viel mehr als nur Zeit messen. Einige japanische Uhren (Marken, Serien und Modelle) heben sich in meinen Augen besonders ab: Casio G-Shock, Seiko und Citizen.

Die Unverwüstlichen: Casio G-Shock

Casio mit Sitz in Tokyo ist ein Urgestein der Herstellung von Digitaluhren. Seit der Gründung 1946 hat sich das Unternehmen stetig entwickelt und prägte mit Synthesizern und Digitaluhren inklusive Gimmicks wie einem Taschenrechner (Marty McFly, der Protagonist aus „Zurück in die Zukunft“, trug natürlich eine) die 1980er Jahre wie kein anderer Uhrenhersteller.

1983 entstand die erste G-Shock (die jeden „Gravity-Shock“ aus 10 Metern Höhe unbeschadet übersteht) und beeindruckte vom Start weg Globetrotter, Sportler und Technofreunde durch ihre Leistung. Aus der Mode der Rave- und Clubszene der 1990er ist diese Armbanduhr aus Japan nicht wegzudenken. Auch im Büro hat sie sich als „Daily Rocker“ fest etabliert. Zahllose Sondermodelle, designt von Künstlern oder aktuell Musikern wie den Gorillaz erfreuen regelmäßig Fans und Sammler.

Mein geliebter Designfavorit unter den japanischen Uhren ist die G-Shock Serie „The Origin“, die seit vielen Jahren quasi unverändert, zeitlos schön, gebaut wird. Zugegeben, ganz in martialischem Schwarz passt sie vielleicht besser in einen Action-Film als ins Büro. Ausführungen mit freundlicheren Displays eignen sich hier eher.

Aktuelle Modelle sind häufig solarbetrieben und als Funkuhr erhältlich. Das finde ich richtig gut, denn wählt man eines ohne bewegliche Teile hat man eine genaue, wartungsfreie und zuverlässige Uhr.

Erschwinglich bis luxuriös

Die G-Shocks weisen in Preis, Farbe, Funktionen und Material große Unterschiede auf, sind aber alle enorm belastbar. Bei meinem Jubiläumsmodell hinterließen Sport, Sonnenmilch, Salzwasser und die heißen Quellen Japans jedenfalls keine Spuren. Bluetooth – sehr praktisch zur sonst etwas umständlichen Justierung von Alarm, Countdown-Timer und Reminder – kennt es nicht, das ist meinem aktuellen Modell (mit Metallgehäuse) vorbehalten.

Casio F-91W
Bis auf das Armband noch wie neu – die Casio F-91W

Eine sehr erschwingliche Uhr wie die legendäre (und, vom Band abgesehen, durch mich auch nicht kaputtbare) Casio F-91W (Amazon Shop) ist eine G-SHOCK absolut nicht. Bei Spitzenmodellen mit entsprechender Ausführung und Handarbeit werden deutlich über 7000.- Euro aufgerufen. Für mein Lieblingsdesign geht es bei 99 Euro los (siehe Casio-Shop), leider ohne Solarbetrieb. In der luxuriöseren Variante kostet japanisches Understatement 1600 Euro – Titan, Saphirglas und jede Menge Exklusivität haben ihren Preis.

Geschmeidig und gediegen: Seiko für Spione und Rocker

1895 ging die erste in der Seikosha Fabrik in Tokyo hergestellte Taschenuhr an den Markt, die erste in Japan hergestellte Armbanduhr folgte 1913. Bekannt wurde Seiko in Deutschland allerdings erst sehr viel später durch günstige Quarzuhren. Auch den Einstieg in die Welt der Uhren mit Automatikwerken macht einem Seiko schon seit langem leicht. 

So cool ich Casio und Citizen finde, für elegante japanische Uhren würde ich zunächst bei Seiko schauen. Und ganz offensichtlich war James Bond bereits vor mir dieser Meinung.

  • In „Der Spion der mich liebte“ (1977) kann eine SEIKO 0674 Text empfangen und drucken (siehe James Bond Lifestyle).
  • Eine SEIKO DIGITAL LC M354 MEMORY BANK CALENDAR (Spezifikationen bei Digital Watch) hilft in „Moonraker – Streng geheim“ (1979) mit Sprengkabeln.
  • In „In tödlicher Mission“ (1981) gibt eine SEIKO H357 DIGITAL ANALOG ALARM Text aus und kann funken (siehe James Bond Lifestyle).
  • Gleich ein Doppelpack in „Octopussy“ (1983): Er nutzt mit der SEIKO G757 SPORTS 100 (siehe James Bond Lifestyle) ein Peilgerät, um ein Fabergé-Ei zu tracken und hat später eine SEIKO TV-Uhr, die ihm Kamerabilder zeigt.
  • In „Im Angesicht des Todes“ (1985) trägt er eine SEIKO 7A28 7020 (siehe James Bond Lifestyle) ohne Gimmicks.

Auch Musiker zählen zu bekennenden Seiko-Fans, wie der Brite Brain May (Queen) (s. Instagram). Diese Begeisterung führte kürzlich zu einem seiner Gitarre gewidmeten Sondermodell (Seiko Webseite) in der günstigen und beliebten Serie Seiko5 Sports. In hochpreisige Bereiche dringt Seiko mit der Premiummarke Grand Seiko vor. Die Uhren faszinieren teils mit ihrer technischen Ausstattung wie dem geschmeidig laufenden Spring-Drive Uhrwerk, das zwar technisch ein Quarzwerk ist, aber einen wirklich kontinuierlich laufenden Sekundenzeiger hat.

Der Leuchtkeks unter den japanischen Uhren – Citizen und die Taucher

Citizen ist hat ebenfalls seinen Sitz in Tokyo und wurde 1918 gegründet. Die Entwicklungen umweltfreundlicher Antriebstechniken wie den „Eco-Drive“ (solargetriebene Quarzuhr) heben Citizen von den Marktbegleitern ab.Bekannt und beliebt sind die erschwinglichen Taucheruhren mit soliden Automatikwerken, die Promasters. Sie werden natürlich nicht nur von Tauchern getragen.

Eine stilprägende Ikone aus dieser Serie ist eine Uhr mit dem kuriosen Spitznamen „Leuchtkeks“, die Citizen Promaster NY0040-09W. Wieso Leuchtkeks? Den Namen erhielt die Uhr aufgrund der auf dem Zifferblatt flächig aufgetragenen Leuchtmasse, die im Dunklen massiv leuchtet. Sie ist so beliebt, dass sie nach Ende der offiziellen Produktion immer noch aus modifizierter Neuware angeboten wird. (Online Shop Taucheruhren) und andere Hersteller wie Orient (japanisch und mittlerweile unter dem Seiko-Dach), Dugena, Gigandet, oder Tag Heuer die Idee auf ihre Weise umsetzen.

Fazit: japanische Uhren sind zuverlässig, robust und vielfältig

Wer eine Uhr zuverlässige und robuste Uhr sucht und auf ein bestechendes Preis-Leistungsverhältnis achtet, der wird bei japanischen Herstellern auf jeden Fall fündig, auch bei ausgefallenen Farbwünschen. Vor dem Kauf seltener G-Shock Sondermodelle zu günstigem Preis auf bekannten Auktionsplattformen möchte ich warnen. Ich bin sicher, bereits mehr als ein Angebot mit einer Fälschung gesehen zu haben. Man erkennt sie beispielsweise an unsauberen Kanten und vereinfachten Displaydetails.

Dieser Beitrag stammt von unserem Gastautoren Stephan „Balu“ Morlock.

Stephan Balu Morlock
Unser Gastautor Stephan „Balu“ Morlock

Japanische Holzschnitte aus 250 Jahren

Einen der dominantesten japanischen Holzschnittkünstler des 19. Jahrhunderts, Utagawa Hiroshige, haben wir im Rahmen einer Bildbandrezension hier schon einmal näher beleuchtet. Der Beginn der Kunstform Holzschnitt in Japan liegt zwar einige Jahrhunderte früher im 8. Jahrhundert. Seine Hochphase erreichte er jedoch erst zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert. Einblick in die enorme Bandbreite von Werken und Künstlern aus dieser Zeit gewährt ein Ende 2019 erschienener großformatiger Bildband aus dem Taschen Verlag. „Japanese Woodblock Prints“ ist ein nahezu handbreitendickes, im Format 29 x 39,5 cm gebundenes Buch, das in Worten und sagenhaften 200 Abbildungen von 89 Künstlern aus zweieinhalb Jahrhunderten (1680-1938) Schaffenskraft erzählt.

Von alten Meistern zu neuen Drucken

Der Bildband ist mit annähernd 6 kg Gewicht durch seine 622 Seiten mit Abbildungen, ausführlichen Beschreibungen und Erläuterungen in drei Sprachen (englisch, deutsch, französisch) ein wahres Schwergewicht. In sieben Kapiteln führt er durch die Zeit der frühen Meister und die Anfänge des Vielfarbendrucks hin zum Goldenen Zeitalter, über die Auseinandersetzung mit der Zensur und den Höhepunkt der Produktion bis in die letzte Phase des traditionellen Holzschnitts, um im letzten Teil mit Shin Hanga, „neuen Drucken“, aus der Zeit von 1916 bis 1938 abzuschließen.

Holzschnittmotive: schöne Frauen und die Promis der damaligen Zeit

Sharaku (Aktiv 1794-1795), Schauspielerbild

Die gängigsten Sujets im japanischen Holzschnitt waren Abbildungen von Schauspielern aus dem Kabuki (mehr bei JAL), schönen Frauen, Landschaften sowie Blumen und Vögeln. Dabei kam Schauspielerbildern, berühmten wie verehrten Persönlichkeiten, über die gesamte Zeit die bedeutendste Rolle zu, für Künstler wie Abnehmer. Daneben wurden Bilder von Sumokämpfern und Gesellschaften, Kriegerbilder, Buchillustrationen, erotische Abbildungen (sogenannte Shunga) sowie humoristische und satirische Motive produziert.

Stil, Form und Moral im Verlauf der Zeit

Kitagawa Utamaro (1753-1806), Powdering the neck, c. 1795/96
Kitagawa Utamaro (1753-1806), Powdering the neck, c. 1795/96

Die wunderschönen, mehrheitlich großformatig abgebildeten Drucke in dem vorliegenden Bildband sind beeindruckende und ausgewählte Zeitzeugnisse. Sie veranschaulichen Entwicklung und Veränderung, sowohl in Bezug auf Ästhetik, Formate und Techniken des Holzschnitts, wie auch auf gesellschaftliche, bürokratische und moralische Aspekte in Japan über einen Zeitraum von 250 Jahren. Die Zusammenstellung der Künstler und Werke beschränkt sich nicht auf die bekanntesten Werke oder namhaftesten Akteure, sondern nimmt eine Vielzahl an Künstlern in den Blick, die in der jeweils beschriebenen Zeitspanne tätig und dafür mehr oder weniger prägend waren.

17 Drucke erhalten in dem Bildband auf ausklappbaren Seiten und damit nahezu 90 cm Breite besonders starke Präsenz. Darunter ein Triptychon von Utagawa Kuniyoshi (einer der drei stilbildenden Meister seiner Zeit), das von einem überdimensionierten Skelett beherrscht wird.

Triptychon von Utagawa Kuniyoshi (1789-1861)
Utagawa Kuniyoshi (1789-1861), unbetiteltes Triptychon

Alleine schon der hervorragenden, abwechslungsreichen, intensiven Bilder wegen, ist „Japanese Woodblock Prints“ absolut empfehlenswert. Zudem machen zahlreiche Zusatzinformationen zur Geschichte des Holzschnitts und den einzelnen Künstlern und Werken aus diesem Bildband ein wunderbares Nachschlagewerk.

Japanese Woodblock Prints – Japanische Holzschnitte (1680–1938)
Hardcover, 29 x 39,5 cm, 622 Seiten, 150 Euro
Autor: Andreas Marks
Bezugsquelle: Taschen Verlag (online bestellen); stationärer Buchhandel des Vertrauens

TV-Serie Pretty Proofreader: hübsch, hartnäckig, herzensgut

Pretty Proofreader ist ein genialer Titel für eine TV-Serie, deren Protagonistin nicht nur außerordentlich hübsch, sondern auch unglaublich scharf auf einen Job in der Redaktion einer Beauty- und Lifestyle-Zeitschrift ist. Nach der siebten Bewerbung im Verlag erhält sie allerdings lediglich ein Angebot als Korrektorin namhafter und weniger bekannter Autoren. In dieser Abteilung spielt sie zwar für Schriftsteller wie Verlag eine enorm wichtige Rolle. Sie agiert jedoch im stillen Kämmerlein absolut im Hintergrund. Ohne jeden Glamour oder ernsthafte Anerkennung. Frau könnte daran verzweifeln. Oder in genau dieser Rolle die wahre Berufung finden und sie zu einer der aufregendsten und vielseitigsten ihres Lebens gestalten.

Szene aus „Pretty Proofreader“: Beruf oder Berufung?

Mehr Sein als Schein

Genau das macht Kouno Etsuko. Mit einer Akribie und Hartnäckigkeit, bei der den Kolleg/innen zunächst nur der Mund offen stehen bleibt. Sie hält sich nicht an Konventionen. Morgens kommt sie bestens gelaunt und von den Zehenspitzen bis zur Haarwurzel top gestylt ins Büro. Sie nimmt ihre Aufgabe sehr ernst. Deshalb verlässt sie, entgegen der Gepflogenheiten, auch gerne regelmäßig das Büro, um inhaltlichen Fragen im ihr vorliegenden und zu prüfenden Manuskript auf den Grund zu gehen. Ihr Umfeld begegnet ihr anfänglich mit einer Mischung aus Sprachlosigkeit und Bewunderung, die wahlweise in Maßregelung oder heimlicher Annäherung an ihre Art und Ansichten mündet.

Szene aus „Pretty Proofreader“: Kouno Etsuko hat ihre Kompetenzen überschritten und wird gemaßregelt.

In der Regel verursacht sie mit vielen ihrer über den üblichen Rahmen hinausgehenden Anmerkungen in den Manuskripten Empörung und das ein oder andere Missverständnis. Am Ende jedoch zeigt sich immer, dass ihre gründliche Recherche, ihre inhaltliche Korrektur – inklusive eigenen Ideen, die sie auf Post-Its an das Manuskript hängt – dazu beitragen, jedes Werk perfekt zu machen. Aus Ablehnung und der ein oder anderen Panikattacke bei Schriftsteller/innen, Vorgesetzten und Kollegen erwächst letztlich große Dankbarkeit. Sie zeigt, dass sie weit mehr kann, als man ihr auf den ersten Blick zutraut.

Schon die Teaser der Serie sind speziell. Jede Folge wird unter einem Titel angekündigt …

… der umgehend handschriftlich korrigiert (revidiert) wird. So ist zumindest immer klar, worum es NICHT gehen wird.

Alles, was eine gute Geschichte braucht

Die Serie hat alles, was es für eine gute Geschichte braucht: mitreißende Protagonisten, eine gelungene Mischung aus Witz und Ernsthaftigkeit, Oberflächlichkeit und Tiefgang, Unterhaltung und Botschaft. Und vor allem jede Menge Leidenschaft. Das verstehen die Japaner wohl unter ikigai, dem Gefühl, etwas zu haben, wofür es sich lohnt, jeden Tag aufzustehen.

Kouno Etsukos Leidenschaft sind Detailverliebtheit und Ehrlichkeit. Das merkt sie schließlich besonders, als sie ihrem Ziel, endlich Redakteurin bei der Zeitschrift Lassy zu werden, näher kommt. Dass sich alles zum Guten entwickelt und sie noch viel mehr verwirklichen kann, als ihren eigentlichen Traum, macht aus der Serie Pretty Proofreader eine Ode an Zuversicht, Lebensfreude und Hartnäckigkeit.

Dank des auf asiatische Filme und TV-Serien spezialisierten Streaming Providers Rakuten VIKI ist Pretty Proofreader mit Untertiteln in elf Sprachen, darunter auch Deutsch, verfügbar.

„Pretty Proofreader“, TV-Serie (Originaltitel: Jimi ni Sugoi! Kōetsu Girl: Kouno Etsuko, Sender NTV)
Hauptdarstellerin: Satomi Ishihara auf imdb.com (Korrektorin Kouno Etsuko)
Rakuten VIKI Streaming: Online (zur Webseite), TV & Mobile App (Übersicht Webseite)

Königsklasse IV mit Kazuo Shiraga und On Kawara

Das Münchner Japan-Jahr 2019 erstreckt sich bis an den traumhaften Chiemsee. Dort sind die beiden zeitgenössischen japanischen Künstler Kazuo Shiraga (1924-2008) und On Kawara (1933-2014) mit großartigen Werken ausgestellt. Die seit 2013 jährlich auf der Herreninsel ausgerichtete Sommerausstellung Königsklasse IV der Pinakothek der Moderne zeigt damit neben Werken von Dan Flavin, Arnulf Rainer, Wolfgang Laib und anderen erstmals auch Kunstwerke aus Japan.

Der Körper als Pinsel

Kazuo Shiragas Werke sind kraftvoll, wuchtig und in der Ausstellung überwiegend farbintensiv. Sein ganzer Körpereinsatz ist jedem Bild anzusehen, fast schon spürbar. Die ausgestellten Bilder reichen vom Jahr 1964 bis zu einem einzigen rein in schwarz-weiß gehaltenen Werk aus dem Jahr 2008. Von allen geht eine gleichermaßen ungemeine Energie aus. Die nackten Backsteinmauern der Ausstellungsräume in einem nicht vollendeten Schlossflügel scheinen die Wirkung noch zu verstärken.

Shiraga benutzte seinen ganzen Körper, malte mit seinen Händen und Fingern, hängte sich an einem Seil von der Decke, um mit seinen Füßen in schnellen, fließenden Bewegungen die Farbe aufzutragen. Schon im Jahr 1958 stellte er Werke in New York aus, verkaufte ab den frühen 1960er Jahren nach Europa, lehrte für ein paar Jahre Kunst an einer Schule in Osaka und zog sich Anfang der 1970er Jahre als Mönch in das nahe Kyoto gelegene Kloster Enryaku-ji zurück. Dort begann er bald erneut mit der Malerei, die ab da vornehmlich auf schwarz-weiß reduziert war.

Was ist das eigentlich, wenn man irgendwo mit der Hand drauf klatscht oder im Falle von Shiraga mit den Füßen malt?

Corinna Thierolf, Kuratorin der Königsklasse
Corinna Thierolf, Foto H. Koyupinar
Corinna Thierolf, Foto H. Koyupinar

Corinna Thierolf, Kuratorin der Königsklasse, wurde ursprünglich über andere Künstler auf Kazuo Shiraga aufmerksam, da sie sich unter anderem für die Freie Geste interessiert. Hier werde, so wie in der Kalligraphie der Pinsel streng senkrecht gehalten wird, der ganze Körper eingesetzt.

Begeistert erläutert sie im Gespräch mit Japeau: „Im Prinzip wird da eine Seite zwischen Himmel und Erde angeschlagen. Und die Expression zwischen diesen extremen Polen, die Spannung zwischen Aktion und dem Unbekannten, zwischen Demut und persönlichem Ausdruck, das ist etwas, was ich in der Kunst kolossal interessant finde“.

Tag . Monat . Jahr

On Kawaras Arbeiten stehen in starkem Kontrast zu Shiragas Bildern. Seine Today-Serie, bestehend aus etwa 2.800 Einzelbildern, sogenannten Date Paintings, begann er am 1. Januar 1966 und führte sie fort bis zu seinem Tod im Jahr 2014. Auf kleine querformatige Tafeln malte er das Datum des jeweiligen Tages in weißer Schrift auf rotem, blauem oder schwarzem Grund.

On Kawara, Date Paintings

Ein einfaches Datum. Mehr nicht. Wie die Zeit verrinnt. Was geschah. Was verging. On Kawaras Zeittafeln sind so unspektakulär wie berührend, unpersönlich wie ergreifend, harmlos wie aufrüttelnd. Auch er hat bereits früh in den USA, seiner Wahlheimat, ausgestellt. Er reiste viel und ließ seine Eindrücke in seine Arbeiten einfließen. So entspricht das Format, in dem jedes Datum abgebildet ist, immer dem des jeweiligen Landes, in dem es erstellt wurde.

Fünf Jahrzehnte deckt die in der Königsklasse IV ausgestellte Werkgruppe ab, von den 1960ern bis in die 2000er Jahre. „Dieser Umgang mit Zeit, das Darstellen eines Lebenswerkes, in diesen ausgewählten Bildern. Wenn man etwas von dieser japanischen Kunst lernen möchte, dann ist es doch, dass man sich einem so prägnant ausformulierten Inhalt widmen muss“, meint Corinna Thierolf.

Dem schließen wir uns definitiv an. Zeit mitbringen und die Werke wirken lassen! Und anschließend lässt es sich noch königlich mit der Kutsche über die Insel fahren und im See baden oder bei kälterem Wetter die schöne Landschaft auf der Insel und um den See herum in Muße zu Fuss erkunden.

Sommerausstellung Königsklasse IV
11. Mai 2019 bis 3. Oktober 2019
Neues Schloss Herrenchiemsee: Offizielle Webseite

Das ganze Universum im eigenen Zimmer

Dunkelheit; der An-Schalter klickt und über uns an der Zimmerdecke erstrahlt der Kosmos – oder besser gesagt, die unterschiedlichsten Varianten des Weltalls. Wir haben unser (japanisches) Heimplanetarium angeworfen und bestaunen den Sternenhimmel. Zahlreiche Sternbilder der nördlichen Hemisphäre, das Sonnensystem und die südliche Hemisphäre werden sichtbar. Für sie gibt es eigene Discs, die in das dafür vorgesehene Einschubfach gelegt werden.

Faszination Galaxie ganz nah

Nach diversen Planetarien-Besuchen und vor allem einer unglaublich intensiven Sternenhimmelsichtung in der Wüste Marokkos, hatten wir beschlossen, ein Heimplanetarium anzuschaffen. Zwar lässt sich damit das Erleben in freier Natur, auf Sandboden und in Eiseskälte nicht exakt nachbilden. Eine ungemein faszinierende und beruhigende Wirkung stellt sich damit durchaus auch in den eigenen vier Wänden ein.

Heimplanetarium: Die südliche Hemisphäre an der eigenen Zimmerdecke

Zu Hause in aller Ruhe und einer selbst gewählten, maximal komfortablen Position – in keinem der von uns besuchten Planetarien saßen wir ansatzweise bequem – entdecken wir Sternbilder, die wir teilweise an unserem nächtlichen Sternenhimmel mit bloßem Auge sehen können, wie Orion oder Großer Wagen. Noch interessanter sind natürlich all die Bilder, die selten oder nie bei uns zu sehen sind. Auch das Universum mit den Galaxien, die verschiedenen Mondphasen oder Erde und Mond bei Tag und Nacht aus der Weltraumperspektive können wir bei uns an den Zimmerhimmel werfen und bestaunen.

Technisch überzeugendes Heimplanetarium – auch für unterwegs

Bei der Wahl unseres Heimplanetariums haben wir auf die Japaner gesetzt. Entschieden haben wir uns für das Homestar Flux Planetarium von Sega Toys. Das überzeugt technisch und ist zudem so klein und robust, dass wir es sogar mit auf Reisen nehmen können. Flux wirft messerscharfe Bilder an Zimmerdecke und Wand. Über einen Regler kann man der Distanz zwischen Projektor und Projektionsfläche entsprechend, in einem Bereich zwischen 120 cm und 290 cm, nachjustieren. Die Bilder stehen in einem Kreis von 270 cm Durchmesser wahlweise still oder rotieren langsam im Raum. Selbst der Fall von Sternschnuppen in regelmäßigen Abständen lässt sich einstellen. Die Timer-Funktion mit einem Intervall von 15, 30 und 60 Minuten ist praktisch, vor allem, wenn der Sternenhimmel zum Einschlafen eingestellt wird und selbsttätig ausschalten soll.

Einschubfach am Heimplanetarium
Einschubfach für die Discs am Homestar Flux Planetarium
Discs für das Heimplanetarium
Original japanische Discs für das Homestar Flux Planetarium

Für das Heimplanetarium gibt es zahlreiche Discs – kleine runde Scheiben – mit unterschiedlichen Motiven. Das Einschubfach dafür funktioniert ähnlich einem DVD-Player. Die originalen Discs, ursprünglich nur für den japanischen Markt gedacht, sind auch bei uns erhältlich – mit original japanischem Cover. Der Japaner Takayuki Ohira, der mit seiner Firma Megastar weltweit professionelle Planetarien beliefert, hat die Homestar Serie zusammen mit Sega Toys entwickelt.

Homestar Flux Planetarium & Discs
Hersteller: Sega Toys (japanische Webseite auf englisch)
Bezugsquellen: Sega Toys Homestar Vertrieb (online bestellen); Amazon (online bestellen);

Toshio Hosokawa: Zen und die westliche Musiktradition

Toshio Hoskawa: Buch und CD

Am 8. November 2018 gibt es hierzulande mal wieder die Gelegenheit ein Werk von Toshio Hosokawa live zu erleben. Im 2. Abonnement-Konzert des Münchener Kammerorchesters (MKO) wird “Nacht – Schlaf” aus dem Werk “Singing garden in Venice” zu hören sein. Eine tolle Gelegenheit ein Stück Hosokawas direkt zu erleben.

Yuki Kasai Violinistin
Violinistin Yuki Kasai – (c) Giorgia Bertazzi

Geleitet wird das Konzert von der japanischen, in der Schweiz geborenen Violinistin Yuki Kasai, die seit letztem Jahr festes Mitglied des MKO ist. Im Gespräch mit Japeau sagt sie über Hosokawa: “Er ist einer der wichtigsten japanischen Komponisten der Gegenwart, mit einer sehr persönlichen eigenen Klangsprache, bei der man das traditionell Japanische ebenso findet, wie die „westlichen Einflüsse“. Diese unterschiedlichen Einflüsse haben sicherlich auch mit Hosokawas Werdegang (Biografie – englisch) zu tun – er verbrachte viele Jahre seiner Ausbildung in Deutschland, zunächst in den 70ern in Berlin, später dann in Freiburg und auch als Dozent in Darmstadt. Wie man dem hervorragenden Buch “Toshio Hosokawa – Stille und Klang / Schatten und Licht” entnehmen kann, lernte Hosokawa die japanische Musik erst später in seinem Leben intensiv kennen.

In Europa ist diese Annäherung an das Japanische bei Fans der zeitgenössischen Klassik sehr beliebt. Viele Aufnahmen und Aufführungen von Hosokawas Werke stammen von deutschen Orchestern. Seine minimalistische Musik, die sich teilweise an buddhistische Musiktraditionen anlehnt, kann man deshalb glücklicherweise öfters einmal hierzulande hören. Wir selbst haben die Musik Hosokawas vor einigen Jahren bei einem Konzert in München kennengelernt; damals das Stück “Landscape II”, das eine nachhaltige Hosokawa-Begeisterung bei uns ausgelöst hat:

Toshio Hosokawa, Komponist (2008)
Toshio Hosokawa, Komponist (2008) – (c) Heike Rost

Doch auch wer live nicht die Gelegenheit hat Hosokawas Musik zu hören, muss auf die spannenden Musikerlebnisse nicht verzichten. In den gängigen Streaming-Portalen sind viele Werke verfügbar und auf CD gibt es noch mehr Aufnahmen zu finden. Toshio Hosokawa sollte man auf jeden Fall einmal gehört haben, denn das tiefgehende Werk des 1955 in Hiroshima geborenen Komponisten ist einerseits nicht schwer zugänglich und bringt andererseits viele spannende Annäherungen an den Klangkosmos Japans – aus einer schon fast europäischen Perspektive. Das Zusammenspiel dieser Perspektiven findet sich auch am 8. November im Münchner Konzert. Yuki Kasai: „Thematisch bildet Hosokawas Stück“Nacht“ zusammen mit dem Blockflötenkonzert von Vivaldi „La Notte“ eine Einheit in unserem Konzert. Ob noch mehr Bezüge zu entdecken sind? Lasst euch im Konzert überraschen!“

Toshio Hosokawa – zeitgenössischer japanischer Komponist
Buch: Toshio Hosokawa: Stille und Klang / Schatten und Licht bei Amazon (online kaufen)
CD: Toshio Hosokawa: Landscapes bei Amazon (online kaufen)

Kräuterkunde: Shiso – feine Deko, zarter Geschmack

Shiso Perilla Blatt

Eines meiner liebsten japanischen Kräuter ist Shiso (Perilla). Das zierliche Blättchen erinnert optisch ein wenig an Brennnessel, geschmacklich an Basilikum und Minze mit leicht zitronigem Unterton. Es ist eines der am häufigsten und vielseitigsten verwendeten Kräuter in der japanischen Küche.

Als typisches Gewürzkraut sind Shiso-Blätter (Wikipedia) in grün und rot in Japan Bestandteil vieler Fisch- und Tempuragerichte sowie von Salaten. Darüber hinaus dienen sie auch zur Dekoration von Gerichten. Die Blätter mit intensivgrüner Farbe machen Shiso zu einer wirkungsvollen Unterlage sowohl andersfarbiger als auch nahezu transparenter Zutaten oder Speisen – von knallroten Kirschtomaten über rötlichbraunen Thunfisch bis zu hellem Sashimi. Mein kulinarisches Highlight war ein Nigiri mit hellem, fast transparentem Fisch (ich weiß leider nicht, was für ein Fisch es war), bei dem das Shisoblatt zwischen Reis und Fischstückchen lag. Die herrlich frische Geschmackskombination vergesse ich sicherlich nie.

Shiso Salatdressing
Auszug aus dem Kochbuch „Die japanische Küche“ von Kimiko Barber: Grünes Shiso-Dressing

Reisgerichten verleiht Shiso nicht nur einen herrlich aromatischen Geschmack, sondern auch einen optischen Frischekick. In kleine Streifen geschnitten lassen sich mit den Blättern von Nudelgerichten bis hin zu Salaten alle möglichen Gerichte im wahrsten Sinne des Wortes toppen und fein gehackt peppen sie jedes Salatdressing ordentlich auf. Für die Herstellung von Umeboshi (Wikipedia) ist rotes Shiso unerlässlich.

Heilmittel aus der japanischen Kräuterküche

Die Japaner sagen dem Gewürzkraut nach, es wäre ein natürliches Mittel gegen leichte Fischvergiftung. Vielleicht neben der geschmacklichen Komponente ein weiterer Grund dafür, dass Shiso regelmäßig in Kombination mit rohem Fisch gereicht wird. Der Sud aus gekochten Blättern wirkt gegen Krämpfe, Übelkeit und Erkältungen und hat schleimlösende Eigenschaften. In die Badewanne gegeben sollen die Blätter Rückenschmerzen lindern. Das aus der Pflanze gewonnene Öl wird zur äußerlichen Anwendung und zu medizinischen Zwecken genutzt.

Gute Zeit für Shiso-Aussaat beginnt bald

Shiso ist eine einjährige Pflanze, die sich auch hierzulande gut ziehen lässt. Am besten im Garten oder auf dem Balkon in halbschattiger Lage. Wenn das nicht möglich ist, lohnt durchaus ein Versuch im Topf auf dem Fensterbrett. Die Samen müssen vor der Aussaat für ein paar Tage in den Kühlschrank, um die Keimruhe zu überwinden. Danach sollten sie auf lockerer Erde angelegt werden. Die beste Zeit für die Aussaat liegt im Frühjahr von Mitte April bis Mai und im Spätherbst von Oktober bis November. Wie die meisten Kräuter mag auch Shiso Licht und ausreichend, also nicht zu viel Wasser. Direkte Sonneneinstrahlung oder Heizungswärme sollte vermieden werden. Zu frühe Blütentriebe am besten umgehend entfernen, da die Blätter sonst stark an Geschmack verlieren. Ernten kann man die Blätter am besten zwischen Mitte Juni und Anfang September.

Shiso (Perilla) – japanisches Gewürzkraut
Bezugsquelle: die Blätter sind in getrocknetem Zustand in gut sortierten japanischen Feinkostläden erhältlich; die Samen in Gartencentern oder dem Kräuterhandel: bspw. Rühlemann’s (online bestellen), Templiner Kräutergarten (online bestellen); das Öl gibt es in einigen Bio-Läden und online, z.B. Stübener Kräutergarten aus Österreich (online bestellen)

Die japanische Küche: ein Kochbuch-Muss

Die japanische Küche Buchcover

„Die japanische Küche“ ist eines der schönsten Japan-Kochbücher, das ich bislang in deutscher Sprache kenne. Der Schwerpunkt dieses Buches liegt auf typisch japanischen Elementen (hier als Zutaten bezeichnet), die liebevoll zusammen gestellt und ausführlich beschrieben sind sowie von fantastischen Bildern sowohl einzelner Zutaten als auch daraus erstellter Gerichte begleitet werden. Die ausgewählten Rezepte decken eine ungemeine Bandbreite der japanischen Küche ab, verdeutlichen die kulinarische Vielfalt und die Gerichte sind einfach köstlich.

Kochbuch "Die japanische Küche": Reis, die Seele Japans
Kochbuch „Die japanische Küche“: Hintergrundinformationen zu Reis als Seele Japans
Kochbuch "Die japanische Küche": Zutat Gobo
Kochbuch „Die japanische Küche“: Über die Zutat Gobo (Klettenwurzel)

Die Autorin Kimiko Barber geht im ersten Teil ihres Kochbuches auf die japanische Kultur und kulinarische Ursprünge ein. Hier beschreibt sie Reis als die Seele Japans in fester wie in zu Sake verarbeiteter Form, geht dem Geschmack Japans anhand der Geschichte des Salzes nach und auf religiöse Einflüsse ein.

Im zweiten Teil stellt sie anhand von vierzehn Kategorien die wichtigsten Zutaten oder Elemente der Küche Japans vor, inklusive Hintergrundinformationen über deren Lebensraum, Aussehen und Geschmack, Nährwert, Einkauf und Lagerung sowie Verwertung. Zu jeder Zutat gibt es 1-2 exemplarische Rezepte, die leicht verständlich, einfach und fast ausschließlich schnell nach zu kochen sind. Hier werden sicherlich selbst Japan-affine Hobbyköche noch einige Zutaten entdecken, von denen sie noch nie gehört haben – wie Gobo, Kampyo, Fu, Kanten. Die Portionsangaben beziehen sich immer auf vier Personen.

Kochbuch „Die japanische Küche“: wunderschöne Zusammenstellung von Informationen, Bildern und Rezepten

In diesem Kochbuch werden alleine die vielen verschiedenen Nudelarten Japans einzeln dargestellt und ausführlich erläutert. Von Soba über Udon, Somen über Hiyamugi und Harusame bis Ramen. Denn Nudeln zählen tatsächlich zu den beliebtesten Elementen in der japanischen Küche: ob kalt oder warm, in Form von Suppe, Salat, Eintopf oder gebraten – sogar zum Frittieren eignet sich eine Nudelart hervorragend.

So besonders schön finde ich an diesem Buch, dass es sehr minimalistisch und dabei hochwertig aufgemacht ist, viele wirklich interessante Informationen enthält, ohne damit zu überfordern und die Anzahl der Rezepte überschaubar und exquisit ist. Die Auswahl reicht von klassischen Gerichten bis hin zu modernen Interpretationen.

„Die japanische Küche“ ist ein tolles Buch, um in das Thema einzusteigen und dabei zu bleiben. Mit Hilfe der Rezepte lassen sich relativ schnell und unkompliziert wunderbare Gerichte auf den Tisch zaubern, die eine pure Gaumenfreude sind und Lust auf mehr machen.

Kochbuch „Die japanische Küche“, gebundene Ausgabe
Autorin: Kimiko Barber
Verlag: Hädecke Verlag
Bezugsquelle: stationärer Buchhandel des Vertrauens; Amazon (online kaufen); Thalia (online kaufen); Hugendubel (online kaufen)

Das Geheimnis der japanischen Küche: wohl bekomm’s

Dashi & Umami Buchcover

Geschmack, der so angenehm und unaufdringlich intensiv ist, dass er von der Kehle langsam in den Magen wandert und sich von dort aus als wohliges Gefühl im ganzen Körper ausbreitet. Das ist Umami, das Geheimnis japanischer Küche. Ausführlich und anschaulich geht das Buch „Dashi and Umami – The heart of Japanese cuisine“ diesem Geheimnis auf den Grund.

Jedes Mal, wenn wir wieder einmal gut japanisch gegessen haben, ist es da, dieses wohlige Gefühl. Satt und zufrieden, Duft und Geschmack noch nachfühlend, stellt sich bei uns die absolute „Wohlfühlbauch“-Stimmung ein. Essen, nicht nur um der Sättigung willen. Auch darum lieben wir die japanische Küche.

Prof Ikeda und Umami
Professor Kikunae Ikeda, Entdecker von Umami, der auch einige Zeit in Deutschland verbrachte

Hinter dem besonderen Effekt und Nachklang japanischer Gerichte steckt ein Geschmack, der  im Jahr 1908 von Prof. Kikunae Ikeda von der Tokyo Imperial University als solcher identifiziert und benannt wurde. Seit den 1980er Jahren ist er als fünfter Geschmack neben bitter, salzig, süß und sauer weltweit anerkannt: umami (dt. wohlschmeckend) steckt in Dashi, einer Brühe, die zentrales Element der traditionellen japanischen Küche ist. Dashi ist nicht nur selbst wohlschmeckend, sondern unterstützt den Eigengeschmack anderer Zutaten und intensiviert den Gesamtgeschmack von ganzen Gerichten.

Dashi and Umami Rezeptauszug
Rezept-Auszug aus „Dashi and Umami“

Das Buch „Dashi and Umami“ gibt Einblick in die Historie der japanischen Küche, liefert wissenschaftliche Erkenntnisse zu Umami – schon als Kinder saugen wir mit der Muttermilch umami auf!! – und gibt das Wissen von vier Top-Köchen renommierter Kaiseki*-Restaurants in Japan über die Eigenherstellung hochwertigen Dashis preis. Anhand ausgewählter Rezepte für Suppen, Reisgerichte, gekochte Gerichte, Beilagen und Saucen zeigt sich die unglaubliche kulinarische Umami-Vielfalt, die sich mit Dashi zaubern lässt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Tipps, um mehr Umami in unser Essen (auch das westliche) zu bringen.

*Kaiseki ist ein ursprünglich im Rahmen der Tee-Zeremonie gereichtes Mahl, heute vornehmlich ein mehrgängiges (bis zu 14 Gänge) Abend-Menü aus leichten Speisen, die kunstvoll auf einem Tablett arrangiert und mit (essbaren) Blüten und Blättern dekoriert werden. Dabei werden nur jahreszeitlich entsprechende, frische Zutaten verwendet und besonderer Wert auf das Hervorheben des Eigengeschmacks der einzelnen Zutaten gelegt.

Im Mittelpunkt der japanischen Küche, die stark beeinflusst ist durch kaiserliche Tradition und die Ästhetik des Buddhismus, steht der Respekt vor der Natur, den vier Jahreszeiten und den der Saison entsprechenden, frischen Zutaten, deren geschmackliche Eigenschaften hervorgehoben und nicht überdeckt werden sollen. Die saisonalen Unterschiede spiegeln sich nicht nur in der Wahl der Zutaten für die Gerichte, sondern auch in dem verwendeten Geschirr und der Dekoration der Gerichte. Insgesamt wird großer Wert auf ein harmonisches Zusammenspiel verschiedener Faktoren gelegt: den Geschmacksrichtungen, den Farben und der perfekten Zubereitungsmethode der Speisen. Diese Ausgewogenheit macht japanische Küche nicht nur zu einer Wohltat für den Magen, sondern auch einem wahren Umami für die Augen. Dank diesem Buch verstehe ich besser denn je, warum japanisch zu essen für mich viel mehr ist, als meinen Hunger zu stillen und warum ich die Finger davon nicht lassen kann: umami macht süchtig!

Das Buch „Dashi and Umami“ ist inzwischen nur noch gebraucht erhältlich und das zu erstaunlichen Preisen. Wohl, weil es von Gastronomen weltweit aufgrund seiner einzigartigen Tiefe und Ausführlichkeit zum absoluten „Must have“ erhoben und seit der Auflage vom März 2009 nicht mehr nachgedruckt wurde. – Empfehlung an dieser Stelle: Umami bei einem Besuch in einem richtig guten japanischen Restaurant selbst auf den Grund gehen – und einfach genießen.

Dashi and Umami – The heart of Japanese cuisine (englisch)
Mit einem Vorwort von Heston Blumenthal, Pascal Bardot, Nobu Matsuhisa, Kiyomi Mikuni
Herausgeber: Eat Japan / Cross Media Ltd.
Bezugsquelle: Amazon (gebraucht online kaufen)

Baby Foot: Pediküre mit Babyhaut-Effekt

Baby Foot Fußmaske

Zugegeben, es ist ein etwas heikles Thema. Ich muss es trotzdem ansprechen. Unsere Füße. Gerade in der heißen Jahreszeit, in der nur offenes Schuhwerk – oder regelmäßig gar keines – getragen wird, fällt der Blick häufig genug auf eher unansehnliche untere Extremitäten. In Japan bin ich bei einem meiner Aufenthalte über ein Produkt gestolpert, das dem Abhilfe zu schaffen und babyzarte Fußhaut verspricht. Baby Foot ist eine Fußpackung, die ganz ohne Hobel oder andere mechanische Hilfsmittel zu ansehnlichen Sohlen verhelfen will.

Dass die Japaner sehr reinlich sind, durfte ich schon bei unserer ersten Japan-Reise sehr schnell feststellen. Das betrifft sowohl Reinlichkeit im öffentlichen Raum als auch die individuelle Körperpflege. Daher ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass ich in einem der vielen Drugstores ein spezielles Produkt für die Pediküre zu Hause entdeckt habe: Baby Foot, mit dessen Anwendung die Füße, „wie aus dem Ei gepellt“, wieder streichelzart werden sollen.

Baby Foot Anwendung Inhalt
Die Funktionsweise ist jedenfalls genau diese: die überschüssige Hornhaut soll sich nach der Fußpackung, durch ein wirksames Zusammenspiel von Fruchtsäuren und Pflanzenextrakten, von den Füßen lösen und einfach abzuziehen sein. Etwas ungläubig fragte ich mich beim Anblick der Verpackung und Erklärung der Funktionsweise, ob es sich hierbei um einen Scherzartikel handelt. Nachdem eine japanische Freundin mich allerdings bat, ihr unbedingt dieses Produkt aus Japan mitzubringen, weil sie darauf schwört, wollte ich es selbst ausprobieren.

Einpacken, einwirken lassen, fertig?

Die Fußpackung besteht aus zwei Foliensocken, gefüllt mit einer Flüssigkeit in der Konsistenz von Gel, die für etwa eine Stunde getragen werden. Dafür müssen zunächst die Füße gereinigt werden. Noch besser ist ein kurzes Fußbad, bei dem die Haut schön aufgeweicht und dadurch aufnahmefähiger wird. Während der Einwirkzeit am besten sitzen oder Socken überziehen und nur langsam fortbewegen. Auch nach der Anwendung heißt es vorsichtig vorgehen. Am besten setzt man sich an den Dusch- oder Wannenrand, um die Socken auszuziehen und die Füße gründlich mit Wasser von der glitschigen Flüssigkeit der Fußpackung zu befreien und abzutrocknen.

Der erste Teil ist damit erledigt. Die Füße sehen aus, wie vor der Packungsanwendung. Da frage ich mich, ob ich wohl etwas falsch gemacht habe? Nein. Alles richtig. Nur fertig ist hier noch nichts. Gut Ding will Weile haben. Erst nach 2-3 Tagen beginnt sich die Haut zu lösen. Richtig schön sieht das nicht aus. Ich muss dem Drang widerstehen, sofort mit Bürste und Hobel nachzuhelfen. Ich kann mich zusammen reißen, packe meine Füße in leichte Sommersocken und verzichte für die nächsten sieben Tage auf Sandalen, wenn ich aus dem Haus gehe – trotz unglaublicher Höchsttemperaturen.

Dann ist es tatsächlich soweit. Ich kann die überschüssige, abgelöste Hautschicht mehr oder weniger einfach abziehen. Dieser Prozess ist etwas mühselig, wenn auch vollkommen schmerzfrei. Und das Ergebnis ist absolut umwerfend. Die Fußhaut ist babyweich und sieht aus, als wäre es nie anders gewesen. Und es bleibt bislang auch so. Selbst ohne das empfohlene, regelmäßige Eincremen der Füße. Ganz klar: das habe ich (auch durch professionelle Pediküre) auf dem herkömmlichen, mechanischen Weg noch nie geschafft.

Fazit: Baby Foot hat – zumindest in meinem Selbstversuch – gehalten, was versprochen wurde. Allerdings braucht man wirklich Geduld und starke Nerven, um den ungewohnten Prozess durchzustehen. Die Anwendung ist simpel, die Wartezeit annähernd unerträglich, das Ergebnis einwandfrei.

Tipp: Die erste Anwendung in eine Jahreszeit legen, in der man eher noch geschlossene Schuhe trägt. Und in jedem Fall vor Anwendung ein gründliches Fußbad nehmen (oder vorher baden).

Baby Foot ist inzwischen auch in Deutschland erhältlich. Daher darf es endlich auch hier bei japeau empfohlen werden!

Anmerkung: Es gibt inzwischen zahlreiche andere Anbieter von ähnlichen Fußmasken. Baby Foot ist allerdings das Original und seit 1997 auf dem (japanischen) Markt.

Baby Foot – Pediküre auf japanische Art
Hersteller: Baby Foot
Vertrieb Deutschland: Parico Cosmetics GmbH
Bezugsquelle: Online-Shop Parico (online bestellen); Amazon (online bestellen)

Hanabi: verdrehtes Kartenspiel für Teamplayer

Hanabi Kartenspiel

Urlaubszeit ist irgendwie immer auch Zeit für Spiele. Ein ganz besonderes haben wir vor einigen Jahren mit „Hanabi“ entdeckt, Spiel des Jahres 2013, das so ganz anders funktioniert, als die uns bis dahin bekannten Kartenspiele. Hier wird nämlich „blind“ gespielt. Und am meisten Spaß macht es bei mindestens vier Spielern (funktioniert ab zwei Spielern).

Das Kartenspiel trägt einen japanischen Namen (hanabi = Blumenfeuer/Feuerwerk) stammt jedoch nicht aus Japan. Es wurde von dem französischen Comic- und Spieleautor Antoine Bauza entwickelt. Wir nehmen es dennoch hier auf, weil es einfach toll ist und durchaus mit Japanbezug. Zum einen wegen des Namens und zum anderen, weil in Japan Feuerwerke nicht individuell, sondern gemeinschaftlich organisiert werden. So ist Hanabi kein Spiel um einen Sieger, sondern ein Teamspiel um den gemeinsamen Gewinn.

Ziel des Kartenspiels ist es, im Team insgesamt fünf Stapel mit von 1-5 durchnummerierten Feuerwerkskarten in fünf verschiedenen Farben in richtiger Reihenfolge auszulegen. Der Clou: jeder Spieler muss seine Karten verkehrt herum halten, so dass er selbst sie nicht sehen kann, sondern nur alle seine Mitspieler. Zu dem Spiel gehören zwei Arten von Chips: 8 Hinweis-Chips und 3 Gewitter-Chips.

So funktioniert Hanabi

Die Spieler haben drei Möglichkeiten, das Spiel zu starten und weiter zu gestalten:

a) Der Spieler, der an der Reihe ist, gibt einem Mitspieler einen Hinweis, welche Karten er in Händen hält. Dabei darf er entweder einen Farbhinweis geben (per Fingertip auf ALLE Karten einer Farbe oder dem Hinweis, dass der Spieler KEINE Karte einer bestimmten Farbe hat) oder einen Zahlen-Hinweis (per Fingertip auf ALLE Karten mit einer bestimmten Zahl oder dem Hinweis, dass der Spieler KEINE Karte mit einer bestimmten Zahl hat).

Hanabi KartenFür jeden gegebenen Hinweis wird ein Hinweis-Chip umgedreht und steht nicht mehr zur Verfügung. Hinweise müssen daher mit Bedacht gegeben und die Anzahl der noch zur Verfügung stehenden Chips im Auge behalten werden.

b) Der Spieler wirft eine Karte, von der er erwartet, dass sie nicht benötigt wird, offen auf einen eigenen Stapel ab. Welche Karte er abgeworfen hat, sieht er selbst also erst in dem Moment, in dem er sie offen hinlegt. Mit einer abgelegten Karte kann ein bereits verbrauchter Hinweis-Chip wieder freigegeben werden. Sind alle Hinweis-Chips noch verfügbar, darf keine Karte abgelegt werden.

c) Der Spieler spielt eine Karte offen aus. Dabei ist wichtig, dass jeder Farbstapel in der richtigen Reihenfolge gelegt werden muss. Jeder Stapel beginnt mit 1 und wird in Reihenfolge bis zu fünften Karte vervollständigt. Der Spieler kann also entweder einen neuen Stapel beginnen oder einen bereits begonnenen Stapel mit der passenden Zahl erweitern.

Passt die gelegte Karte nicht, wird einer der drei Gewitter-Chips aufgedeckt. Wenn alle 3 Gewitter-Chips verbraucht, also aufgedeckt, sind, ist das Spiel verloren.

Nach jedem Ablegen einer Karte, wird vom verdeckt auf dem Tisch liegenden Stapel mit Restkarten nachgezogen. Es gibt drei Varianten für das Spielende:

1. Sobald der dritte Gewitter-Chip aufgedeckt werden musste -> es gibt 0 Punkte.
2. Wenn in allen 5 Farben ein Kartenstapel von 1-5 auf dem Tisch liegt -> es gibt 25 Punkte.
3. Gehen die Karten des Nachziehstapels zu Ende, kommt jeder Spieler nur noch einmal zum Zug -> die Punkte der gelegten Karten werden gezählt.

Kenne die Karten und sei wachsam!

„Hanabi“ funktioniert nur durch gute Teamarbeit, die richtigen Tipps an der richtigen Stelle und taktisch kluges Vorgehen. So sollte man immer die Karten im Kopf behalten, die im Spiel verfügbar sind. Denn es gibt von allen Zahlenwerten unterschiedlich viele Karten der gleichen Farbe, von der 5 in jeder Farbe jedoch nur eine einzige (plus Joker)! Ohne die 5 kann kein Farbstapel abgeschlossen werden. Natürlich gibt es auch Joker in diesem Spiel, die Feuerwerkskarten mit Zahlen, die jeweils auf jeden Farbstapel gelegt werden können – an der richtigen Stelle.

„Hanabi“ macht richtig Spaß und ist jedes Mal wieder interessant, weil der Spielverlauf stark von den Spielern und ihrer Interaktion abhängt. Auch Grenzen müssen manchmal neu gezogen werden, wenn ein Tippgeber zum Beispiel durch Mimik und Gestik tatsächlich mehr als nur einen erlaubten Hinweis gibt. Es ist eine Gratwanderung für alle Mitspieler, das Spiel spannend zu halten und gleichzeitig gewinnen zu wollen. Das Schöne daran ist, dass entgegen anderen Kartenspielen alle Spieler in einem Boot sitzen. Es gibt nur gemeinsames Gewinnen oder Verlieren.

Hanabi – Spiel des Jahres 2013
Verlag: Abacusspiele
Bezugsquelle: stationäres Spielwarengeschäft; Abacusspiele (online kaufen); Amazon (online kaufen)

Tuchkunst mit Furoshiki: der Knoten macht’s

The Furoshiki Handbook

Von meiner Begeisterung für Furoshiki hatte ich ja bereits in einem früheren Beitrag geschrieben. Nachdem ich gerne mehr über die wunderbaren Stoffe und die damit verbundene Verpackungstechnik wissen wollte, habe ich mich bei meiner letzten Japanreise im Juni diesen Jahres bei den Profis vor Ort erkundigt: Musubi ist einer der beiden größten Produzenten von Furoshiki in Kyoto und eine Mitarbeiterin der Firma hat mit „The Furoshiki Handbook“ ein tolles und wirklich gelungenes Handbuch veröffentlicht.

The Furoshiki Handbook: Furoshiki Geschenk und Tuch

Ich liebe am Schenken vor allem das vorherige Einpacken. Das kann manchmal ziemlich mühselig und frustrierend sein – weil das Geschenk unförmig oder das Papier zu dünn oder zu dick ist und reißt oder unschön zu falten und schlecht zu kleben ist. Im Gegensatz dazu machen es einem die quadratischen Tücher aus Stoff, die in Japan ursprünglich zum Verpacken von Nahrungsmitteln und dem Verstauen und Tragen von Bekleidung verwendet wurden, schon unverschämt leicht. Heute kennen selbst viele Japaner/innen die alte Technik des Faltens und Knotens nicht mehr so genau. Daher habe ich sie mir bei Musubi mit und an den hauseigenen Stoffen direkt zeigen lassen (s. Instagram). Auch deshalb bei dieser Firma, weil deren PR Managerin Etsuko Yamada ein fantastisch dünnes und dabei mit wertvollen Tipps und Anregungen vollgepacktes Handbuch zum Thema publiziert hat.

In „The Furoshiki Handbook“ liefert Yamada, gelernte Textildesignerin, eine kurze Einleitung in die Historie von Furoshiki und erläutert anschaulich anhand schöner Bilder viele Techniken des kunstvollen Einpackens und Gestaltens mit den Tüchern. Furoshiki gibt es in unterschiedlichen Größen, ihre Form ist immer quadratisch. Die Muster- und Farbauswahl (nicht nur bei Musubi) ist enorm, die Stoffart reicht von seidig bis wasserabweisend und es gibt sogar Motive für bestimmte Anlässe.

Von Regenschirmen bis hin zu schweren Holzkisten, von kleinsten Dosen bis hin zu Bilderrahmen oder gar Pflanzen in Töpfen, lässt sich mit den Stoffen in der entsprechenden Größe nahezu alles einpacken und transportieren, was sinnvoller oder schöner Weise einzupacken ist. Und das Beste ist natürlich, dass die Stoffe selbst ein zusätzliches Geschenk sind. Je nach Größe eignen sie sich nicht nur als auffallend hochwertige Geschenkverpackung, sondern können weiter als Hals- oder Einstecktuch, Schal, Tischdecke oder Spieldecke für Kinder genutzt und sogar mit wenigen Handgriffen zur praktischen Handtasche umfunktioniert werden.

Furoshiki-Technik macht den Meister

Damit die Verpackung sitzt, sitzen bleibt und das Eingepackte darin tragbar ist, zählt vor allem eins: der richtige Knoten. Wenn der passt, kann nichts mehr schief gehen. Wie man/frau es richtig macht, veranschaulicht das nachfolgende Video:

Online lassen sich zahlreiche weitere Tipps und Anleitungen zum perfekten Verpacken mit Furoshiki in Text-, Bild- und Videoform von Musubi, wie auch anderen Anbietern finden. Darüber hinaus gibt es einige Bücher zum Thema. Das oben erwähnte (Texte japanisch und englisch!) habe ich gelesen, die Anleitungen durchprobiert und erfolgreich von Tellern über Flaschen bis hin zu großen Bildern verpackt, was zu verpacken war. Auch diverse Taschenformen konnte ich mithilfe des Buches aus meinen Tüchern knoten. Begeisterung pur! Daher ist dieses Buch eine absolute Empfehlung meinerseits. Es müssen nicht die Furoshiki von Musubi sein, die Anleitungen funktionieren grundsätzlich mit nahezu jedem Stoff – die richtige Größe muss es natürlich haben. Wobei Qualität, Motive und Farben der original japanischen Furoshiki sind schon unglaublich schön.

The Furoshiki Handbook – Using Japanese Traditional Cloth for Everyday Wrapping (Bi-lingual Englisch/Japanisch)
Autor:
Etsuko Yamada
Verlag: Seibundo Shinko Sha (japanische Website)
Bezugsquelle:
Amazon (online bestellen)

Grillsaison auf Japanisch: The Japanese Grill

Buchcover The Japanese Grill

Was gibt es Schöneres, als im Sommer neben warmen Sonnenstrahlen und kühlem Nass endlich wieder Essen im Freien zu genießen! Besonders Gegrilltes kommt nun häufiger auf den Tisch und ist einfach etwas Feines. Vor allem die japanische Art. „The Japanese Grill“ ist das perfekte Rezeptbuch, um aus der ganzen Vielfalt der japanischen Grillkunst zu schöpfen und die Grillsaison auf Japanisch zu begehen.

Grundzutaten für japanisch grillen
„The Japanese Grill“: Wichtigste Grundzutaten für das Grillen auf japanische Art

Es sind ein paar besondere Grundzutaten notwendig, um authentisch japanisch grillen zu können. Denn vor allem die Würzungen machen den entscheidenden geschmacklichen Unterschied. Und vielleicht braucht es auch ein wenig mehr Fingerspitzengefühl und Vorbereitungszeit an der ein oder anderen Stelle (zum Beispiel für das Grillen von Lachshaut – wer das beherrscht, kann sich wahrer Grillmeister nennen – oder das Marinieren von Fisch über Nacht). Dafür sind Geschmacksexplosionen und „Ahs“ und „Ohs“ garantiert. Und es gibt genügend Speisen, die wirklich schnell und unkompliziert angerichtet sind (wie der im Ganzen zu grillende Red Snapper mit Ponzu, Spargel im Speckmantel oder Yaki Onigiri, gegrillte Reisdreiecke).

Reichlich, vielfältig, haltbar

The Japanese Grill Yakitori Spieße
„The Japanese Grill“: Yakitori-Spieße

Sehr ausgewogen ist die reichliche Auswahl an Fleisch-, Geflügel-, Fisch-, Meerestier-, Gemüse- und Reisrezepten und verschiedenen Soßen in dem Buch. Viele Marinaden und Soßen können bequem vorbereitet und auch längere Zeit im Kühlschrank aufbewahrt oder wieder verwendet werden. Zusätzlich liefert das Buch zahlreiche Beilagenrezepte, beispielsweise für Zwiebelsalat mit Sojasauce und Bonito, zwei verschiedene Spinatsalate oder Romanasalat mit Miso-Senf-Dressing.

The Japanese Grill: Temperaturchart
„The Japanese Grill“: Temperaturchart

Informativ und daher sehr gelungen finde ich die Einführung in das Thema Grillen inklusive Temperatur-Chart: je nachdem wie lange man die Hand über dem Feuer halten kann, lässt sich die Temperatur ziemlich präzise bestimmen – und damit der richtige Zeitpunkt und die richtige Stelle für das entsprechende Grillgut. Hilfreich sind auch die zusätzlichen Tipps wie „Basics für das Grillen von Fisch“, „Entbeinen von Hühnerschenkeln“,  ideale Portionsangaben pro Person für Yakitori-Spieße zum Abendessen oder wie man feststellt, wann das Fleisch durch ist.

Die Menge macht’s

Da das Buch in den USA erschienen und auf Englisch ist, wird für die internationalen Leser auf der letzten Seite eine Tabelle mit Umrechnungswerten für in den Rezepten genannte Mengenangaben, Temperatur, Längen und Gewicht geboten. Die gelisteten Bezugsquellen für Grills und japanische Zutaten sind auf die USA bezogen. Wo man hierzulande allerdings die richtigen Geschäfte findet, lässt sich per Onlinesuche schnell herausfinden. Japanische und die meisten asiatischen Supermärkte haben die wesentlichen Zutaten, wie Miso, Sojasauce, Mirin und Co. im Sortiment.

Die Autoren
Tadashi Ono ist Executive Chef bei Matsuri in New York. Harris Salat schreibt über Essen unter anderem für die New York Times und auf seinem eigenen Blog und hat zusammen mit Ono bereits das Buch Japanese Hot Pots sowie mit Takashi Yagihashi das Buch „Takashi’s Noodles“ veröffentlicht.

The Japanese Grill – From classic yakitori to steak, seafood, and vegetables
Autoren: Tadashi Ono & Harris Salat
Verlag: Ten Speed Press
Bezugsquelle: Amazon (online bestellen), Thalia (online bestellen)

Issey Miyake: zeitloses (Mode)Design auf höchstem Niveau

Issey Miyake Cover Taschen Verlag

Issey Miyake hat als ungemeiner Visionär und Kreateur die Modeindustrie seit den 1960er Jahren weit über die Grenzen Japans hinaus geprägt. Mit seinen heute 80 Jahren (geb. 22. April 1938) ist der Modeschöpfer selbst nicht mehr aktiv, seine Marke jedoch nach wie vor präsent.  Mit „Issey Miyake“ hat der Taschen Verlag eine sagenhafte Monografie über den Designer und sein Wirken seit seinen Anfängen in den Siebzigern bis in die späten 1990er Jahre herausgegeben. Ein absolut sehens- und lesenswerter Wälzer von über 500 Seiten spannenden Portraits mit fantastischen Bildern, der bereits im Jahr 2016, zeitgleich zur Issey Miyake Ausstellung im National Art Center Tokyo erschien.

Issey Miyake Black dress

Buch „Issey Miyake“, Taschen Verlag, 2016

Miyake war von Beginn seiner Karriere an  Experimentalkünstler mit dem Anspruch, tragbare und vor allem bequeme Kleidung zu schaffen, die durch innovative Materialien und Formen aus der Masse heraussticht. Zunächst für Laroche und Givenchy tätig, gründete er 1970 sein eigenes Studio in Tokyo. Ende der 1970er Jahre monierte er die Qualität der Stoffe, die im Paris dieser Zeit von Fabrikanten in Mengen angeboten wurden. Nichts davon wäre etwas, das die Japaner gerne tragen würden. So begann er – und setzte diesen Weg über seine gesamte Laufbahn hinweg fort -, selbst Materialien zu entwickeln, die seine Ansprüche erfüllten.

„Kleider wie Haut“, „Design aus einem Stück Stoff“ („A Piece Of Cloth“/ „A-POC“), „Das Geheimnis der Falten“ (Pleats Please!) oder „Recycling zu schönster Form“ sind einige Beispiele für untrennbar mit dem Namen und dem Künstler Miyake verbundene Innovationen. Er schuf Kleider, die getragen werden konnten, wie eine zweite Haut – zart, leicht und eng anliegend, mit Bildern versehen, die an kunstvolle Tätowierungen im japanischen Stil erinnerten. In einem Land, in dem Tätowierungen die Zugehörigkeit zur Yakuza (Wikipedia) nahelegen und damit in der normalen Bevölkerung verpönt sind, erregte dieser Ansatz des „Tattoos für einen Tag“ großes Aufsehen.

A-POC making, Issey Miyake

Buch „Issey Miyake“, Taschen Verlag, 2016: Entstehtungsprozess eines A-POC

Einzigartig sind seine Kleidungsstücke aus einem einzigen Stück Stoff. Bei dieser für ihn zentralen Philosophie des Kleidungerschaffens ging es ihm nicht nur darum, neue Formen zu kreieren und die Schönheit und Textur des Materials zu betonen, sondern auch darum, kaum bis kein Material zu verschwenden. Das Ergebnis waren Kleidungsstücke, die teilweise ausgefaltet nahezu quadratisch waren, sich jeder Körperform anpassten, mit ihr spielten und durch das Zusammenspiel von Träger/in und Kleidungsstück zu ganz persönlichen und individuellen Teilen wurden.

Mit seinem Plissee-Look definierte er Formen der Bekleidung völlig neu. Mit den Bügelfalten fand er die Lösung für sein Ziel, eine japanische Antwort auf amerikanische Jeans und T-Shirts zu entwickeln: universell einsetzbare Bekleidung, originell, strapazierfähig und extrem praktisch. Durch die scharf gebügelten Falten nahmen die Kleider flach zusammen gelegt abstrakte Formen an, die aussahen wie eine Treppe oder ein Kreis, und die getragen mit dem Raum zwischen Körper und Stoff spielten.

Gefaltet und getragen Issey Miyake

Buch „Issey Miyake“, Taschen Verlag, 2016: Kleid und Ärmel, einmal getragen und daneben in gelegter Form

Aus recyceltem Polyester, das häufig für Plastikflaschen verwendet wird, entwickelten er und sein Team Kleider, die sich im ungetragenen Zustand praktisch von alleine, entlang ihrer Falten, vollständig flach zu geometrischen Formen zusammen legen und erst durch die Bewegungen der- oder desjenigen lebendig werden, die/der sie entfaltet und trägt. Ähnliche Formen in der gleichen Falttechnik charakterisieren auch die IN EI Lampen, die Miyake und das Team des Miyake Reality Lab für Artemide entwickelten.

Unerschöpfliche Schaffenskraft bis ins hohe Alter

Anders als die Mode seiner Zeitgenossen, den Designern Rei Kawabuko, Gründerin des Modelabels Comme des Garçons, und ihrem Ex-Mann Yohji Yamamoto, Gründer der gleichnamigen Modemarke, deren „Atomic-Chic“ zunächst von der Presse zerrissen wurde, stießen Miyakes zartere Kreationen von Beginn an auf mehr Gegenliebe. Seine Entwürfe versprühten den Optimismus, die Zukunftsgewandheit und die Modernität, die er der Mode verleihen wollte, als Gegengewicht zu all dem Schrecken, den er als einer der Hiroshima-Überlebenden zu spüren bekommen hatte. Miyake wagte – noch bis ins relativ hohe Alter – genial neue, oft schon poetische Ansätze, in denen sich Tradition und futuristische Technologien paarten und zu Stücken wurden, die Aufsehen erregten und dabei tragbar waren. Denn das war sein größtes Anliegen: Kleider zu entwerfen, die den Bewegungen des Körpers folgen, ihm Freiheit lassen und dabei bequem und praktisch sind.

Im zweiten Teil des Buches finden sich Fotografien der Miyake-Mode von Yuriko Takagi. Sie ist selbst eine großartige Künstlerin, die in ihren fotografischen Arbeiten das Zusammenspiel von Kleidung und Körper fokussiert und beleuchtet. Die Aufnahmen für Miyake wurden vornehmlich in Island in Szene gesetzt – einer wunderbaren Kulisse für die noch heute sehr futuristisch anmutenden Designs dieses grandiosen Modeschöpfers.

Issey Miyake
Autoren: Midori Kitamura (Konzept und Redaktionsdirektion)
Verlag:
Taschen Verlag
Bezugsquelle: Taschen Verlag (online bestellen); stationärer (Kunst-)Buchhandel des Vertrauens

Die Summe der Teile: Pearl Free Floating Snaredrums

Pearl floating snare

Wenn man als Schlagzeuger am Klang seines Instrumentariums aktiv arbeiten will, dann hat man es schwer. Die Trommeln sind – im Gegensatz zu den Becken – zwar über die Auswahl der Felle und die Stimmung merklich beeinflussbar. Material und Format der Trommelkessel wird aber beim Kauf festgelegt, und damit muss man dann leben – oder eine weitere Trommel anschaffen. Hier kommt der japanische Schlagzeughersteller Pearl ins Spiel.

Wie viele Hersteller am Markt hat sie erkannt, dass die meisten Schlagzeuger ihre Snaredrum als zentrale „Stimme“, als persönliches und/oder stilprägendes Markenzeichen empfinden. Deshalb gibt es auch einen kleinen „Zoo“ an Pearl Snaredrums unterschiedlichster Formen und Materialien. Aber dabei bleibt es eben nicht.

Individueller Gestaltungsspielraum für Drummer

Es ist ein großer Verdienst von Pearl, seit nun mittlerweile ca. 35 Jahren und über drei Produktgenerationen hinweg mit den „Free Floating“ Snaredrums eine Art Baukastenkonzept anzubieten. Damit wird dem Trommler auf eine sehr pfiffige Art ermöglicht, Klang und Ansprache seines Instruments zu formen. Er kann Einfluss nehmen auf das von ihm gespielte Kesselmaterial, die Kesseldicke und die Kesseltiefe, ohne eine neue Trommel zu kaufen (die gelagert und transportiert werden müsste). 

Eine Free Floating Snaredrum zeichnet sich dadurch aus, dass der Kessel frei schwingt. Das bedeutet, dass auf die üblichen Bohrungen und Befestigungen von Böckchen zur Aufnahme von Spannschrauben am Kessel verzichtet wird. Der Kessel wird lediglich durch den Druck des angespannten Schlagfells in einem Rahmen aus Aluminium gehalten. 

Akustisch bleibt ein freischwingender Kessel nicht ohne Folgen. Meiner Wahrnehmung nach sind die Free Floating Snaredrums sensibel und sehr dynamisch in der Ansprache – und je nach Material erreichen sie auch eine sehr hohe Endlaustärke. Eine spezielle Free Floating Snare gilt als eine der durchsetzungsfähigsten Snaredrums, das Signature Modell des Bon Jovi Trommlers Tico Torres. Es hat einen 3mm dicken Aluminiumkessel.

Pearl Snare Custom Kessel mit Zebrano/Makassar Furnier, Stahl, Messing

Die Einflussmöglichkeiten sind für den Klangtüftler interessant, weil sie in der Praxis schnell umgesetzt werden können. Da der Kessel frei schwingt, kann er nach Lösen der Spannschrauben des Schlagfells direkt gegen einen anderen ausgetauscht werden. Mit einem handelsüblichen Akku-Schrauber und einem Vierkant-Bit für die Spannschrauben dauert der Austausch ca. 10 Minuten. Ist ein solches System also erst einmal erworben, so können von Pearl und auch von anderen Anbietern nach Bedarf Austauschkessel in einer Vielzahl von Materialien und optischen Gestaltungen erworben bzw. auf Wunsch gefertigt werden. Über einen Tausch der Halteböckchen im Rahmen, ggf. auch nur der Spannschrauben, ist die volle Bandbreite gängiger Kesseltiefen erreichbar. Die angebotenen Standardausstattungen decken den Bereich zwischen einer flachen, crispen Piccolo mit 3,5 Zoll bis hin zu einem wuchtigen „Eimer“ von 8 Zoll ab. Aber wie gesagt, man kann ja selber gestalten und einen Kessel in einer Tiefe nach Belieben verbauen.

Im Ergebnis spielt man mit dem Free Floating System nach 10 Minuten Umbau beispielsweise nicht mehr eine 6,5 Zoll tiefe Trommel aus Messing, sondern eine mit 7,25 Zoll Tiefe aus Ahorn. Die Spannung von Teppich und Resonanzfell werden nicht (!) tangiert. Bis auf den Kessel ist die Trommel identisch, inklusive der Abhebungsmechanik für den sogenannten „Teppich“ der Schnarrsaiten. Das ist deshalb schön, weil einerseits die Optimierung/Feineinstellung einer solchen Abhebung ihre Tücken haben kann und andererseits Teppiche von sehr guter Qualität ihren Preis haben.

Pearl bietet echte Mehrwerte

Pearl zeichnet sich unter anderem durch eine hervorragende online Präsentation von Katalogen und Ersatzteillisten mit bildlicher Darstellung aus. Es sind also auch Ersatzteile erhältlich. Zusammen mit einer stetigen Produktverbesserung entsteht hier der entscheidende Dreiklang an Mehrwerten.

Pearl Snare MK1 Teppich
Pearl Snare MK1 Teppich, der über den Rand hinaus ragt

Das erste System (nennen wir es Mk1) ist zwar von solider Qualität, aber noch ziemlich klobig und folgte leider dem damaligen Trend der Pseudo-Parallelabhebung mit Teppichen, die über die Trommel hinausgehen.

Die aktuelle Generation Mk3 dagegen ist schlank und mit einem verbesserten Abhebungsmechanismus ausgestattet, der nämlich verriegelt werden kann. Wer einmal erlebt hat, wie in der Hitze des Gefechts der Mechanismus schlicht den Dienst versagt und den Teppich wieder fallen lässt, der schätzt diese kleinen liebevollen Details um so mehr. Nach einigen Jahren Punkrock und Motörhead-Coverband kann ich versichern, dass auch allerderbstes Trommeln hier nichts lockert.

Einige der momentan angebotenen Modelle sind auf der Webseite von Pearl demonstriert. In den Videos hört man, wie stark die Fellstimmung und das Kesselmaterial auf den Klang wirkenDas wird auch in der Fachpresse bestätigt.

Beispiel für Austauschböckchen im Handel (beispielsweise zum Umbau von Piccolo auf „Eimer“).

Zum Unternehmen:
Die heutige Pearl Corporation hat ihren Ursprung in der Gründung am 2. April 1946 in Sumida (Wikipedia), Tokio durch Herrn Katsumi Yanagisawa. Schon bald nach der anfänglichen Notenständerherstellung begann Pearl 1950 als erste Firma japanische Schlagzeuge herzustellen, zunächst als Korpuslieferant für eine Vielzahl von Herstellern. Ab den 1960er Jahren wurde mit der Herstellung unter eigenem Namen und Logo begonnen. Diese wurden und werden auch in Deutschland angeboten. Japanische Schlagzeughersteller wie Tama, Yamaha oder Pearl sind aus deutschen Musikläden nicht wegzudenken. Das gehobene Einsteigerset „Pearl Export“ ist sicher eines der traditionsreichsten, bekanntesten und meistverkauften Schlagzeugmodelle in Deutschland. Dazu trägt auch das vom deutschen Hersteller Sonor inspirierte Haltesystem mittels zweier paralleler Rohraufnahmen in einer Rosette für die Basstrommel bei. Auf engen Bühnen ist das extrem praktisch, weil es sowohl Tom-Halter als auch Beckenhalter aufnehmen kann. So kann ein Beckenständer eingespart werden.

Der Werdegang des Pearl Gründers Katsumi Yanagisawa ist Gegenstand eines Interviews mit seinem Sohn Masani Yanagisawa, das auf der amerikanischen Musikmesse NAMM geführt wurde.

Dieser Beitrag stammt von unserem Gastautoren Stephan „Balu“ Morlock. 

Stephan Balu Morlock
Gastautor Stephan „Balu“ Morlock

18 Jahre Nippon Connection in Frankfurt

Nippon Connection Flyer

Es war irgendwann Anfang der 2000er, als ich als Hobby-Filmkritiker und Filmfan über die Nippon Connection (http://www.nipponconnection.com/) stolperte. Vermutlich eine Erwähnung im Magazin Splatting Image (Wikipedia) (das heute leider nicht mehr in seiner prächtigen Printform existiert) oder irgendein Text im Vor-Blogzeitalter-Netz brachten mich auf die Spur. Filme aus Japan sollte es da zu sehen geben, ziemlich viele und oft als Erstaufführung. Und dann saß ich in einem großen Uniraum in Frankfurt zwischen vielen Studenten und sah meinen ersten japanischen Film auf einer großen Leinwand – nachdem ich in den 90er Jahren den japanischen Horrorfilm auf VHS-Kassetten kennengelernt hatte.

Viele Filme folgten über die Jahre und jeder war eine Entdeckung, nicht nur eine Entdeckung des individuellen Kunstwerks, sondern immer auch eine Entdeckung einer weiteren Facette Japans. Ohne die Nippon Connection und ihre Filme, wäre ich diesem Land, das ich nur aus der Ferne kannte, vermutlich nie so schnell so nah gekommen. Und das Festival befeuerte auch mein früheres Hobby Filmjournalismus und das Veröffentlichen im Internet (etwa, für das Online-Magazin DAS MANIFEST, für das ich viele meiner Lieblinge von der Nippon Connection, etwa “Hanging Garden” von Toshiaki Toyoda, besprechen und auch Gespräche führen konnte mit Helden des japanischen Kinos, wie dem kurze Zeit später verstorbenen Koji Wakamatsu).

Die Nippon Connection bringt japanische Fernliebe zum Erblühen

Viele Jahre ist die erste Begegnung mit diesem großartigen Frankfurter Festival her. Viele Erinnerungen hängen an der Nippon Connection. Sie brachte meine Fernliebe zu Japan zum Erblühen und war der Rahmen für die Weiterentwicklung dieser Leidenschaft gemeinsam mit meiner Frau Kathrin, die inzwischen die treibende Kraft hinter diesem Blog ist. Als wir 2010 das erste Mal nach Japan fuhren, war uns schon so viel vertraut. Und wir fühlten uns beim ersten Anblick Tokyos wieder wie in diesem Universitätsraum mit den unbequemen Stühlen. Und jetzt wird die Nippon Connection volljährig und geht ins 18. Festivaljahr.

Über 100 Kurz- und Langfilme werden 2018 zu sehen sein. Über 60 Filmschaffende aus Japan – Schauspieler, Regisseure, Soundtrack-Komponisten – werden vor Ort sein. Die Festivalleitung erwartet über 17.000 Zuschauer an sechs Tagen. Das größte japanische Filmfestival außerhalb Japans breitet sich immer mehr in der Mainmetropole aus – auf inzwischen sechs Locations. Dokumentarfilme spielen in diesem Jahr eine größere Rolle und auch die Themen der Filme sind andere. Japanische Gesellschaftstrends bildet das Festival eben auch 2018 ab: von der Homosexualität über die alternde Gesellschaft oder auch Minderheiten im Land des Gruppenkonformismus. Und auch richtige Klassiker auf alten 35mm-Kopien gibt es zu sehen – eine Stärke, die die Nippon Connection von Anfang an hatte. Und daneben gibt es dann noch die Veranstaltungen, die dem ganzen das kulturelle Sahnehäubchen aufsetzen: Workshops zu Ikebana, Ramen-Essen, Verkaufsstände, Origami, japanische Musik und und und… wer einmal zur Nippon Connection kommt, der wird mit vielen Erinnerungen nach Hause gehen.

Im Gespräch mit Festivalleiterin Marion Klomfaß

Kurz vor dem 2018er Festival habe ich mich mit der Nippon-Connection-Gründerin und Festivalleiterin Marion Klomfaß ausführlich über ihre Erinnerungen an 18 Jahre Nippon Connection unterhalten (unser erstes Interview hier bei japeau, aber sicherlich nicht das letzte):

Björn Eichstädt und Marion Klomfaß

japeau-Autor Björn mit Marion Klomfaß, Frankfurt

Marion, “Das Beste aus Japan bei uns” ist das Motto unserer Seite. Was war “Das Beste aus Japan” in 18 Jahren Nippon Connection?
Marion Klomfaß: Das ist natürlich schwierig und es gab so viele tolle Momente. Aber mein persönliches Highlight war der Schauspieler Koji Yakusho, dem wir 2017 den Nippon Honor Award verleihen durften. Ein ganz besonderer Gast für mich. Denn ihn hatte ich schon in so vielen japanischen Highlightfilmen wie “Shall we dance”, “Cure”, “Eureka”, “Pulse” und vielen anderen gesehen. Das ist ein wirklich echter Star. Und dass wir so jemanden mal zu unserem Frankfurter Festival bekommen würden, das hatte ich mir ein paar Jahre zuvor wirklich nicht vorstellen können.

Wie bist Du zum japanischen Film gekommen?
Ich hatte ursprünglich gar nichts mit Japan zu tun. Ich habe Filmwissenschaften studiert und mich im Festivalumfeld getummelt. Und habe dann eher aus Zufall angefangen, für ein Festival die Asienreihe aufzubauen. Ich habe mir von null das Wissen aufgebaut und mochte zum Beispiel sehr gerne das Hongkong-Kino.

Also standen andere asiatische Filme eigentlich erstmal im Fokus?
Ja. Japan war erstmal ein Land unter vielen. Aber dann bin ich 1999 erstmals im Urlaub in Japan gewesen und war total begeistert und kurz darauf habe ich dann auch eher zufällig ein Flugticket gewonnen, nochmals nach Japan; das war noch im selben Jahr. Weil ich nicht genau wusste, was ich machen sollte und auch niemand mitkommen wollte, habe ich mir das Tokyo International Film Festival ausgesucht. Und das war dann die Initialzündung.

Was hast Du mit dieser Initialzündung zuhause in Deutschland gemacht?
Na ja, mit ein paar Kommilitonen dachte ich: lass uns doch ein paar Filme aus Japan an der Uni zeigen. Und dann haben wir angefangen zu planen und auf einmal stand da ein richtiges kleines Festival mit 13 Filmen. Und es kamen ein paar tausend Leute. Das hat uns total umgehauen. Auch ein kleines Rahmenprogramm hatten wir da schon. Ich hab dann 2001 meinen Abschluss gemacht und hatte keine Zeit für die Nippon Connection, aber ab 2002 kamen wir jährlich. Und ich bin zur Japanfilmexpertin geworden.

Du hast viele japanische Filmemacher nach Frankfurt gebracht. Welche hälst Du derzeit für am vielversprechendsten?
Eine schwierige Frage. Da gibt es zum Beispiel Ujicha, der mit seinem Animationsfilm “Violence Voyager” in diesem Jahr dabei ist – ein ganz ungewöhnlicher Animationsfilmemacher. Ich denke, von dem kann man künftig noch viel erwarten.


Auch sehr talentiert ist der Regisseur Takaomi Ogata, der mit “The Hungry Lion” dabei ist und der mit “Sunk into the Womb” auch einen ganz schrecklichen, aber unglaublich guten Film gemacht hat. Im neuen Film geht es um Mobbing. Und dann mag ich noch Akiko Oku sehr, die 2018 mit “Tremble all you want” bei uns an den Start geht. Das ist eine Regisseurin mit einem wirklich schönen Humor. Sie ist zwar nicht mehr ganz so “neu”, aber hat noch nicht viele Filme gemacht.

Eine abschließende Frage, die mich und sicher auch die Leser besonders interessiert: Was sind Deine 5 liebsten japanischen Filme aller Zeiten?
Oh Gott, eigentlich mache ich gar keine Listen und beantworte solche Fragen auch nicht gerne, aber ich versuche es mal: sehr beeindruckt hat mich Toshiaki Toyoda mit “Pornostar” damals Ende der 1990er. Dann war auch “Swallowtail Butterfly” einer der großen Filme dieser Zeit. Kiyoshi Kurosawas “Cure” hat zwei Jahrzehnte lang bleibende Eindrücke hinterlassen oder auch Takeshi Kitanos “Hana-Bi”. Shinja Tsukamoto, der ja auch in den 90ern bekannt wurde mit “Tetsuo” hat mich besonders mit “Tokyo Fist” beeindruckt und Takashi Miikes “Ichi the Killer” wird mir wohl immer in eindrücklicher Erinnerung bleiben. Ich merke gerade, das ist alles sehr 90s. Aber das war eben das Jahrzehnt, das mich zum japanischen Film gebracht hat. Aber natürlich gibt es auch tolle Filme aus anderen Zeitaltern etwa aus den 60ern, die Filme von Seijun Suzuki wie “Branded to Kill” oder eines meiner persönlichen Highlights “An Actor’s Revenge”. Ja, das japanische Kino hat viel zu bieten! Und das waren jetzt eindeutig mehr als fünf, oder?

Ja, das stimmt… wir sehen uns ab 29. Mai 2018 auf der Nippon Connection! Danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast.

Nippon Connection
Hintergründe zum Festival: http://www.nipponconnection.com/ueber-das-festival.html
Das Programm 2018: http://www.nipponconnection.com/taegliche-angebote.html

 

Ikebana: Das ganze Universum in einer Blumenschale

IKEBANA Buchcover

Ich weiß nicht mehr genau, wann ich das erste Mal mit Ikebana in Berührung kam. Ganz genau erinnere ich mich allerdings an das Gefühl, das ich empfand, als ich das erste Mal vor einem japanischen Blumenarrangement stand. Dass sich Blumen auf eine so ungemein harmonische und kunstvolle Art zusammen stecken ließen, die jeder einzelnen ihren eigenen Raum gab und im gemeinsamen Zusammenspiel ein atemberaubend schönes Bild ergab, machte mich sprachlos – und auf eine eigenartige Art glücklich.

Heute weiß ich, dass sich die japanischen Zeichen für Ikebana als „lebendige Blumen zu ihrer eigentlichen Gestalt bringen“ übersetzen lassen. Das war es wohl, was mich berührt hatte. Diese Kunst, eine Blume nicht einfach Blume sein zu lassen, sondern sie in ihrer Farbe, Form und Größe im Kontext mit ihrem Umfeld als einzigartige Schöpfung zu inszenieren, ihre Schönheit auszustellen und dabei gleichzeitig ihre Vergänglichkeit anzudeuten.

Ikebana Rikka-Stil

Arrangement im Rikka-Stil – Bildquelle: Buch IKEBANA by Sōfū Teshigahara, Sōgetsukai, 1962

Die Ikebana-Kunst hat eine lange Tradition, die sich wohl aus dem chinesischen Brauch des Blumenopfers in buddhistischen Tempeln ab dem 7. Jahrhundert in Japan entwickelte. Verschiedenen Quellen nach gab es einen Priester im Rokkakudo Tempel in Kyoto, der die bis dahin übliche Darreichung der Blumen als unästhetisch empfand. Er begann damit, sie aufrecht stehend, in drei Hauptlinien zu arrangieren, die das Zusammenspiel von Himmel, Mensch und Erde symbolisieren sollten. Der Altar, auf dem die Blumen platziert wurden, lag bei einem Teich (jap. ike) in einer kleinen Hütte (jap. bo). Die Priester wurden daher Ikenobo genannt und ihr Tempel gilt heute als Geburtsstätte des Ikebana. Erst im späten 15. Jahrhundert entwickelte sich daraus eine systematische Form der Anordnung, der Rikka-Stil (rikka = stehende Blumen), der als Urform des Ikebana und aller seiner weiteren Stilformen gilt.

Kunstform in unterschiedlichen Stilrichtungen

Den Rikka-Stil prägen majestätische, feierliche Blumenarrangements in Form idealisierter Landschaften, die häufig in schweren Bronzegefäßen stehen und an den Höfen Kyotos eine Höhe von über vier Metern erreichen konnten. Eine etwas leichtere Form entwickelte sich um Zusammenhang mit der Teezeremonie: im Nageire-Stil (nageire = zufällig, die Natur nachahmend) werden Blumen zwanglos und in möglichst natürlichen, einfachen Töpfen oder Vasen zusammengestellt. Vornehmlich, da hier weniger Regeln beachtet werden müssen und weniger Übung erforderlich ist, wurde dieser Stil besonders populär.

Ikebana im Moribana-Stil

Arrangement im Moribana-Stil – Bildquelle: Buch „Ikebana – A fresh look at Japanese flower arranging“ von Diane Norman & Michelle Cornell

Der dritte, elegant-schlichte Stil, das Shoka (frische, lebende Blumen), ähnelt in seinen Formalitäten dem Rikka, beschränkt sich allerdings wie Nageire auf wenige Materialien. Im Shoka-Stil werden Blumen in asymmetrischer Dreiecksform mit drei Hauptzweigen arrangiert, die Himmel, Mensch und Erde symbolisieren. Ein jüngerer Stil wurde im späten 19. Jahrhundert mit Moribana (angehäufte Blumen) entwickelt. Hier werden die Blumen in flachen Gefäßen aufgebaut, um sie in ihrer besten und am natürlichsten wirkenden  Form zu präsentieren.

Ikebana ist tatsächlich weit mehr, als die Kunst, Blumen zu stecken. Hier werden eigene Landschaften und Szenerien geschaffen, eigene kleine Universen in einer Blumenschale oder Vase, in die gleichzeitig die Gefühlslage der Künstler mit einfließen. Und diese Kunstform wäre nicht japanisch, wenn alleine das Resultat zählte. Auch dem Weg zum fertigen Werk kommt besondere Bedeutung zu. Das Erstellen eines Ikebana erfordert Ruhe, Konzentration, Fokussierung und Handfertigkeit – ganz abgesehen von einem tiefen Wissen über Pflanzen und ihre Eigenschaften und die Regeln, die je nach Schule beziehungsweise Stil variieren.

Kreative Freiheit nur durch Regeln

Geregelt ist im Ikebana vieles, unter anderem die Pflanzen in Farbe, Form, Größe und Anordnung betreffend, die Gefäße, das Größenverhältnis zwischen Pflanzen und Gefäß, sowie Neigungswinkel und Abstände zwischen den Pflanzen untereinander und zwischen Pflanze und Gefäß. Auch die bei der Erstellung entsprechende Jahreszeit muss in den meisten Stilen widergespiegelt werden. Darüber hinaus sind Schnitttechniken, Stecktechniken und verwendbare Blumenhalterungen mal streng, mal etwas lockerer geregelt. Zudem gibt es Regeln für die Anlässe, zu denen Ikebana erstellt werden: formell, semi-formell und informell.

Ikebana Vase

Bildquelle: Buch IKEBANA by Sōfū Teshigahara, Sōgetsukai, 1962

Dem Gründer der Sogetsu Ikebana-Schule, Sōfū Teshigahara, wird die Aussage „Freiheit entsteht aus Formalität“ zugeschrieben. Nur wenn die Regeln des Ikebana in Fleisch und Blut übergegangen sind, wird man/frau gedanklich frei sein, um eigene Kreationen zu schaffen. Wer grundlegende Kenntnis über das Verständnis von Balance, Form und dem Konzept von Raum hat, kann ein faszinierendes Arrangement gestalten, wie ich damals eines gesehen habe – und seither noch unzählige weitere.

Wer möchte, kann sich auf verschiedenen Onlineseiten und mithilfe einiger toller Bücher in das Thema einlesen und einarbeiten. Eine Schule oder Ausbildung in dieser Richtung ersetzen die verfügbaren Quellen zwar nicht, geben jedoch guten Einblick in Thematik, Techniken und Regeln und erlauben zumindest, einfache schöne Gestecke selbst zu erstellen. Über den Ikebana Bundesverband lassen sich auch Lehrmeister/innen aufspüren, die in meist privaten Kursen unterrichten.

 

Ikebana (Die japanische Kunst, Blumen zu inszenieren)

Weiterführende Informationen:
Ikebana Bundesverband e. V. (Offizielle Webseite)
Ikenobo (Offizielle Webseite englisch)
Sogetsu München (Offizielle Webseite)
Sogetsu Japan (Offizielle Webseite)
Ohara-Ikebana Frankfurt Furyu Studiengruppe e.V. (Offizielle Webseite), seit Juni 2017 offizielle Vertretung der Ohara-Schule in Tokyo

Buchtipps:
„Ikebana – A fresh look at Japanese flower arranging“, von Diane Norman und Michelle Cornell (erhältlich im/bestellbar über den stationären Buchhandel des Vertrauens; bei Amazon UK online kaufen)
„Ikebana“ von Sofu Teshigahara, 1962 (gebraucht über Amazon US online kaufen)

Online-Shops für Ikebana-Zubehör:
Kadosha (Online-Shop aus Japan)
Ikebana (Online-Shop aus Deutschland)

Weitere Inspirationsquellen:
Instagram, Pinterest und Co. sind wahre Fundgruben
Japanische Holzschnitt-Drucke mit Ikebana-Inhalt: Online-Suche bei ukyio-e
Artikel auf Artsy
: „What is Ikebana? The Japanese art that’s making a comeback“ vom 21.März 2018

Japan 151: Ein Land in Schlagworten

Japan 151

Ein relativ gewagter und durchaus gelungener Versuch, Japan zu beschreiben: sich entlang ausgewählter Schlagworte durch die Lebens-, Ess-, Wohn-, Schlaf-, Liebes-, Informations-, Spiele- und Feierkultur der Japaner zu bewegen. Mit dem Buch „Japan 151“ verschafft Fritz Schumann Japaninteressierten einen raschen, kurzweiligen und schon mal humorvollen Einblick in die japanische Gesellschaft, ihre Eigenheiten, Prägungen und Neigungen.

Ein Land und seine Menschen in Kurzform, informativ, unterhaltsam und vor allem prägnant zu beschreiben, ist eine wahre Herausforderung. Wartet ein Land mit so vielen Charakteristika auf wie Japan, liegt eine Annäherung über genau diese eigentlich nahe. Dem Autor von „Japan 151. Ein Land zwischen Comic und Kaiserreich in 151 Momentaufnahmen“ gelingt damit ein aufschlussreicher Querschnitt durch Themen, die Land und Leute kennzeichnen und bewegen – und die Nicht-Japaner ohne Zweifel umgehend als „typisch japanisch“ anerkennen können. Selbst für Japan-Kenner hält das Buch noch einige neue Informationen bereit.

Von Anime und Manga, Sprache, Kanji und Fremdsprachen, Glaubensfragen und technischen Entwicklungen bis hin zu Sozialverhalten und dem Umgang mit sich selbst, fasst der Autor viele Aspekte der japanischen Kultur zu einem spannenden Porträt von Land und Leuten zusammen. Reich bebildert liefert „Japan 151“ schöne Einblicke, macht neugierig auf das Land der aufgehenden Sonne und weckt bei mir den Wunsch, ganz bald wieder vor Ort in das Geschehen einzutauchen und noch viel mehr zu entdecken, als ich bei meinen vielen Reisen nach Japan bislang schon gesehen und erlebt habe. In jedem Fall ist dieses Buch eine absolute Leseempfehlung, um sich auf Land und Leute einzustimmen!

Japan 151. Ein Land zwischen Comic und Kaiserreich in 151 Momentaufnahmen
Autor: Fritz Schumann
Verlag: Conbook Verlag
Bezugsquelle: stationärer Buchhandel des Vertrauens; Amazon (online kaufen)