Ausstellung: Araki-Fotografie vor Hype um Bondage

Ausstellungsplakat Nobuyoshi Araki Tokyo der Pinakothek der Moderne

Nobuyoshi Araki, 1940 in Tokyo geboren, gelangte spätestens mit seinen Bondage-Fotografien, angelehnt an die traditionelle japanische Fesselkunst „Kinbaku“, zu Weltruhm. Einen Einblick in sein frühes Schaffen noch vor dieser Zeit gewährt nun die Pinakothek der Moderne in München mit der aktuellen Ausstellung einiger seiner Werke aus den 1960er und 1970er Jahren.

japeau-Herausgeberin vor Tokyo-Serie

Credits: Nici Bertelshofer (Instagram: @nici_bertelshofer)

Gestern Abend hatte ich das große Vergnügen, an der Premierenführung zur Ausstellung „Araki.Tokyo“ teilzunehmen, die vom 26.10.2017 bis 4.03.2018 in der Pinakothek der Moderne gezeigt wird. Im Zentrum steht dabei die zwischen 1969 und 1973 entstandene Reihe „Tokyo“, bestehend aus 28 Diptychen von jeweils einer anonymen (Straßen)Szene im Kontrast zu einer von lasziv bis intim fotografierten Japanerin. Diese Fotos und Zusammenstellungen zeigen den Beginn der Auseinandersetzung Arakis mit dem Tokyoter Leben zwischen öffentlichem und privatem Raum.

Nr. 18 aus "Tokyo"

Nr. 15 aus der Reihe „Tokyo“, 1971, Nobuyoshi Araki

In seinen fotografischen Momentaufnahmen grenzt er beide Bereiche klar voneinander ab, um diese Trennung durch entsprechende Bild-Konstellationen gleichzeitig wieder aufzuheben oder zumindest in Frage zu stellen. Wenn Gesellschaft von Individuen lebt und Individuen die Gesellschaft bilden, gibt es kein „Innen“ und kein „Außen“ mehr. Und doch gibt es den individuellen Traum, den persönlichen Raum, in den Araki uns durch seine Linse blicken und an dem er uns ein Stück weit teilhaben lässt.

Erlebte Realität und geträumtes Erleben mischen sich in „Tokyo“, lassen den Betrachter teilhaben am Gesehenen und liefern reichlich Futter für eigene Assoziationen und Gedanken. Es lohnt sich, jeder einzelnen Komposition etwas Zeit zu geben, um sie wirken zu lassen.

Ergänzt werden die „Tokyo“-Fotografien, Originalvorlagen für das Buch „Tokyo“ von Araki, um seine zwei ersten Künstlerbücher, die 1971 erschienen. In „Sentimental Journey“ und „Okinawa“ nimmt Araki den Betrachter in einer Art von Tagebuch-Fotografien mit auf seine  Hochzeitsreise und die gemeinsame Zeit mit seiner Frau danach.

the days we were happy, 1972

„The days we were happy“, 1972, Nobuyoshi Araki

Zudem sind in der Ausstellung die Serien „The Past“ und „The Days we were happy“ zu sehen, die wie „Tokyo“ aus Bildpaaren bestehen. In „The Days we were happy“ setzt Araki vom TV-Bildschirm abfotografierte Szenen neu zusammen, indem er die Fotografien in der Mitte zerreisst und beide Bildhälften leicht versetzt und etwas windschief wieder neu zusammen setzt. Seine Kritik-Inszenierung der durch die Medien verzerrt dargestellten Realität, die ihm so überhaupt nicht entspricht und das absolute Gegenteil seiner Arbeit darstellt.

„Araki.Tokyo“ ist in meinen Augen eine ausgesprochen gelungene Ausstellung der Frühwerke des wahrscheinlich verrückt-genialsten Fotografen unserer Zeit und absolut sehenswert.

Ausstellung Araki.Tokyo
Zeitraum: 26.10.2017 – 4.03.2018
Ort:
Pinakothek der Moderne, Barer Straße 29, 80799 München
Ausstellungskatalog: Der Katalog ist für 28,90 Euro im Online-Shop der Pinakothek der Moderne erhältlich.

Anmerkung: Die Premierenführung war organisiert von Priceless Munich für Mastercard Karteninhaber. Als Herausgeberin von japeau durfte ich kostenfrei und ohne geforderte Gegenleistung an der Führung teilnehmen.

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