Der elektronische Sound der Megacity

Cover der CD Capsule Lock

Yasutaka Nakata ist so etwas wie der Pharrel Williams seiner japanischen Heimat. Auch wenn sein Sound für viele eher wie japanisches Daft Punk klingt (die wiederum von seinem und anderem japanischen Sound beeinflusst wurden). Er ist als Producer eine ganz große Nummer und hat den Sound der legendären J-Elektro-Pop-Girlband Perfume ebenso geprägt wie den von Stil- und Werbeikone Kyary Pamyupamyu (die zu Beginn ihrer Karriere auf einen verrückten Style a la Lady Gaga setzte).

Musik für J-Pop-Insider

Capsule ist sein persönliches und musikalisch ambitioniertestes Projekt, in Analogie zu Williams’ N.E.R.D. Und ebenso wie N.E.R.D. im Werk des amerikanischen Bruders im Geiste immer eher dem Underground verhaftet blieb, so ist auch Capsule eher ein Projekt für J-Pop-Insider, das in den 90er Jahren im Zeitalter des von Cornelius und Pizzicato Five geprägten Shibuya-Kei-Sounds seinen Anfang nahm. Aber eines, das es in sich hat.

“CAPS LOCK” ist das 14. Album von Capsule. Und für mich das herausragende. Denn “CAPS LOCK” ist nicht einfach nur japanischer, anspruchsvoller Elektro-Pop – wie viele frühere Capsule Alben, die vor allem auch von der Stimme der Sängerin Toshiko Koshijami geprägt wurden. Das ist hier anders.

Nächtliche Fußmärsche durch Shibuya

Das Album ist für mich vielmehr der Sound Tokyos in aller seiner artifiziellen Schönheit. Viele Stücke klingen wie japanische Bahnübergänge oder Fußgängerampeln, wie “Station Music” (in Japan haben viele Bahnhöfe einen eigenen “Soundtrack”), wie Video-Game-Arcades oder nächtliche Fußmärsche durch Shibuya.

Die Stücke heißen wie die Tasten von Computer-Keyboards: HOME, CONTROL oder SHIFT – das Ganze würde man Konzeptalbum nennen, wenn es in den 70er Jahren und nicht im Jahr 2013 entstanden wäre. Und im Gegensatz zu früheren Capsule-Alben wird eigentlich nie gesungen. Und nach ein wenig mehr als 35 Minuten ist dann Schluss. Noch ein letztes Mal die RETURN-Taste gedrückt und dann ist Ruhe. Die letzte U-Bahn ist gefahren. Und erst am nächsten Morgen ist wieder Leben in der Stadt.

Das Album ist auf CD erschienen und beim E-Commercer der Wahl erhältlich. Wie so manch andere japanische Musikveröffentlichung ist „CAPS LOCK“ derzeit nicht über Spotify oder andere Streaming-Dienste bei uns erhältlich.

CAPS LOCK
Album von Capsule
CD: Online kaufen z.B. bei Amazon.de

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