18 Jahre Nippon Connection in Frankfurt

Nippon Connection Flyer

Es war irgendwann Anfang der 2000er, als ich als Hobby-Filmkritiker und Filmfan über die Nippon Connection (http://www.nipponconnection.com/) stolperte. Vermutlich eine Erwähnung im Magazin Splatting Image (Wikipedia) (das heute leider nicht mehr in seiner prächtigen Printform existiert) oder irgendein Text im Vor-Blogzeitalter-Netz brachten mich auf die Spur. Filme aus Japan sollte es da zu sehen geben, ziemlich viele und oft als Erstaufführung. Und dann saß ich in einem großen Uniraum in Frankfurt zwischen vielen Studenten und sah meinen ersten japanischen Film auf einer großen Leinwand – nachdem ich in den 90er Jahren den japanischen Horrorfilm auf VHS-Kassetten kennengelernt hatte.

Viele Filme folgten über die Jahre und jeder war eine Entdeckung, nicht nur eine Entdeckung des individuellen Kunstwerks, sondern immer auch eine Entdeckung einer weiteren Facette Japans. Ohne die Nippon Connection und ihre Filme, wäre ich diesem Land, das ich nur aus der Ferne kannte, vermutlich nie so schnell so nah gekommen. Und das Festival befeuerte auch mein früheres Hobby Filmjournalismus und das Veröffentlichen im Internet (etwa, für das Online-Magazin DAS MANIFEST, für das ich viele meiner Lieblinge von der Nippon Connection, etwa “Hanging Garden” von Toshiaki Toyoda, besprechen und auch Gespräche führen konnte mit Helden des japanischen Kinos, wie dem kurze Zeit später verstorbenen Koji Wakamatsu).

Die Nippon Connection bringt japanische Fernliebe zum Erblühen

Viele Jahre ist die erste Begegnung mit diesem großartigen Frankfurter Festival her. Viele Erinnerungen hängen an der Nippon Connection. Sie brachte meine Fernliebe zu Japan zum Erblühen und war der Rahmen für die Weiterentwicklung dieser Leidenschaft gemeinsam mit meiner Frau Kathrin, die inzwischen die treibende Kraft hinter diesem Blog ist. Als wir 2010 das erste Mal nach Japan fuhren, war uns schon so viel vertraut. Und wir fühlten uns beim ersten Anblick Tokyos wieder wie in diesem Universitätsraum mit den unbequemen Stühlen. Und jetzt wird die Nippon Connection volljährig und geht ins 18. Festivaljahr.

Über 100 Kurz- und Langfilme werden 2018 zu sehen sein. Über 60 Filmschaffende aus Japan – Schauspieler, Regisseure, Soundtrack-Komponisten – werden vor Ort sein. Die Festivalleitung erwartet über 17.000 Zuschauer an sechs Tagen. Das größte japanische Filmfestival außerhalb Japans breitet sich immer mehr in der Mainmetropole aus – auf inzwischen sechs Locations. Dokumentarfilme spielen in diesem Jahr eine größere Rolle und auch die Themen der Filme sind andere. Japanische Gesellschaftstrends bildet das Festival eben auch 2018 ab: von der Homosexualität über die alternde Gesellschaft oder auch Minderheiten im Land des Gruppenkonformismus. Und auch richtige Klassiker auf alten 35mm-Kopien gibt es zu sehen – eine Stärke, die die Nippon Connection von Anfang an hatte. Und daneben gibt es dann noch die Veranstaltungen, die dem ganzen das kulturelle Sahnehäubchen aufsetzen: Workshops zu Ikebana, Ramen-Essen, Verkaufsstände, Origami, japanische Musik und und und… wer einmal zur Nippon Connection kommt, der wird mit vielen Erinnerungen nach Hause gehen.

Im Gespräch mit Festivalleiterin Marion Klomfaß

Kurz vor dem 2018er Festival habe ich mich mit der Nippon-Connection-Gründerin und Festivalleiterin Marion Klomfaß ausführlich über ihre Erinnerungen an 18 Jahre Nippon Connection unterhalten (unser erstes Interview hier bei japeau, aber sicherlich nicht das letzte):

Björn Eichstädt und Marion Klomfaß

japeau-Autor Björn mit Marion Klomfaß, Frankfurt

Marion, “Das Beste aus Japan bei uns” ist das Motto unserer Seite. Was war “Das Beste aus Japan” in 18 Jahren Nippon Connection?
Marion Klomfaß: Das ist natürlich schwierig und es gab so viele tolle Momente. Aber mein persönliches Highlight war der Schauspieler Koji Yakusho, dem wir 2017 den Nippon Honor Award verleihen durften. Ein ganz besonderer Gast für mich. Denn ihn hatte ich schon in so vielen japanischen Highlightfilmen wie “Shall we dance”, “Cure”, “Eureka”, “Pulse” und vielen anderen gesehen. Das ist ein wirklich echter Star. Und dass wir so jemanden mal zu unserem Frankfurter Festival bekommen würden, das hatte ich mir ein paar Jahre zuvor wirklich nicht vorstellen können.

Wie bist Du zum japanischen Film gekommen?
Ich hatte ursprünglich gar nichts mit Japan zu tun. Ich habe Filmwissenschaften studiert und mich im Festivalumfeld getummelt. Und habe dann eher aus Zufall angefangen, für ein Festival die Asienreihe aufzubauen. Ich habe mir von null das Wissen aufgebaut und mochte zum Beispiel sehr gerne das Hongkong-Kino.

Also standen andere asiatische Filme eigentlich erstmal im Fokus?
Ja. Japan war erstmal ein Land unter vielen. Aber dann bin ich 1999 erstmals im Urlaub in Japan gewesen und war total begeistert und kurz darauf habe ich dann auch eher zufällig ein Flugticket gewonnen, nochmals nach Japan; das war noch im selben Jahr. Weil ich nicht genau wusste, was ich machen sollte und auch niemand mitkommen wollte, habe ich mir das Tokyo International Film Festival ausgesucht. Und das war dann die Initialzündung.

Was hast Du mit dieser Initialzündung zuhause in Deutschland gemacht?
Na ja, mit ein paar Kommilitonen dachte ich: lass uns doch ein paar Filme aus Japan an der Uni zeigen. Und dann haben wir angefangen zu planen und auf einmal stand da ein richtiges kleines Festival mit 13 Filmen. Und es kamen ein paar tausend Leute. Das hat uns total umgehauen. Auch ein kleines Rahmenprogramm hatten wir da schon. Ich hab dann 2001 meinen Abschluss gemacht und hatte keine Zeit für die Nippon Connection, aber ab 2002 kamen wir jährlich. Und ich bin zur Japanfilmexpertin geworden.

Du hast viele japanische Filmemacher nach Frankfurt gebracht. Welche hälst Du derzeit für am vielversprechendsten?
Eine schwierige Frage. Da gibt es zum Beispiel Ujicha, der mit seinem Animationsfilm “Violence Voyager” in diesem Jahr dabei ist – ein ganz ungewöhnlicher Animationsfilmemacher. Ich denke, von dem kann man künftig noch viel erwarten.


Auch sehr talentiert ist der Regisseur Takaomi Ogata, der mit “The Hungry Lion” dabei ist und der mit “Sunk into the Womb” auch einen ganz schrecklichen, aber unglaublich guten Film gemacht hat. Im neuen Film geht es um Mobbing. Und dann mag ich noch Akiko Oku sehr, die 2018 mit “Tremble all you want” bei uns an den Start geht. Das ist eine Regisseurin mit einem wirklich schönen Humor. Sie ist zwar nicht mehr ganz so “neu”, aber hat noch nicht viele Filme gemacht.

Eine abschließende Frage, die mich und sicher auch die Leser besonders interessiert: Was sind Deine 5 liebsten japanischen Filme aller Zeiten?
Oh Gott, eigentlich mache ich gar keine Listen und beantworte solche Fragen auch nicht gerne, aber ich versuche es mal: sehr beeindruckt hat mich Toshiaki Toyoda mit “Pornostar” damals Ende der 1990er. Dann war auch “Swallowtail Butterfly” einer der großen Filme dieser Zeit. Kiyoshi Kurosawas “Cure” hat zwei Jahrzehnte lang bleibende Eindrücke hinterlassen oder auch Takeshi Kitanos “Hana-Bi”. Shinja Tsukamoto, der ja auch in den 90ern bekannt wurde mit “Tetsuo” hat mich besonders mit “Tokyo Fist” beeindruckt und Takashi Miikes “Ichi the Killer” wird mir wohl immer in eindrücklicher Erinnerung bleiben. Ich merke gerade, das ist alles sehr 90s. Aber das war eben das Jahrzehnt, das mich zum japanischen Film gebracht hat. Aber natürlich gibt es auch tolle Filme aus anderen Zeitaltern etwa aus den 60ern, die Filme von Seijun Suzuki wie “Branded to Kill” oder eines meiner persönlichen Highlights “An Actor’s Revenge”. Ja, das japanische Kino hat viel zu bieten! Und das waren jetzt eindeutig mehr als fünf, oder?

Ja, das stimmt… wir sehen uns ab 29. Mai 2018 auf der Nippon Connection! Danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast.

Nippon Connection
Hintergründe zum Festival: http://www.nipponconnection.com/ueber-das-festival.html
Das Programm 2018: http://www.nipponconnection.com/taegliche-angebote.html

 

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