Das WA in japanischem Design

WA The Essence of Japanese Design Cover

Japanisches Design aus allen Bereichen des Alltagslebens verbindet ein gemeinsames Element: Wa (Kanji 和), zum einen Ausdruck für Japan und Japanisches, zum anderen für ein harmonisches Bild, das eine besondere Anziehungskraft ausübt und trotz oder gerade wegen seiner Klarheit fasziniert und wirkt. Dieser Wirkung geht das wunderbare Buch „Wa: The Essence of Japanese Design“ von Roselle Menegazzo und Stefania Piotti auf den Grund.

Wa - the essence of japanese design emptiness

„Wa: The Essence of Japanese Design“, Vorwort von Kenya Hara zu „Leere“ (emptiness) in japanischem Design

In seinem Vorwort für dieses Buch erklärt der heute wohl einflussreichste Designer Japans, Kenya Hara (engl. Webseite: Hara Design Institute; Wikipedia), die Besonderheit japanischen Designs mit der „Leere“ (emptiness), die den Objekten im positiven Sinne zu Eigen sei. Damit meint er sowohl raumgebende, unvoreingenommene, wie auch interpretierbare Gestaltung, deren emotionaler Wert und individuelle Bedeutung erst im Kontext mit Umfeld und Akteur (Betrachter*in oder Nutzer*in) entsteht. Als Beispiel nennt er die traditionellen Masken des Nō-Theaters, die neutral gestaltet sind, in denen durch die Rolle des Schauspielers und im Rahmen seines Spiels jedoch emotionale Züge erkennbar zu sein scheinen. Dies unterscheide die japanische Schlichtheit (für ihn „Leere“) von der Schlichtheit der westlichen Moderne, die auf Rationalität, nämlich der Beziehung zwischen Funktionalität, Material und Form, beruhe. Das könnte eine einleuchtende Erklärung für die Faszination sein, die japanisches Design insbesondere auf westliche Betrachter*innen ausübt.

Das hochwertig gestaltete Buch aus dem Phaidon Verlag – gedruckt auf feinem Papier, doppelt gelegt und auf japanische Art gebunden – spürt dem wahren Kern japanischen Designs anhand von 250 ausgewählten Objekten aus den vergangenen Jahrhunderten bis heute nach. Den Materialien „Holz, Bambus und Lack“ (wood, bamboo, lacquer), „Metall“ (metal), „Keramik, Glas, Stein“ (ceramics, glass, stone), „Papier“ (paper), „Fasern, Stoffe“ (fibres, fabrics), „Neue Materialien“ (new materials) zugeordnet, sammeln sich Werke unbekannter wie namhafter Künstler in einer gelungenen Zusammenstellung, die es ermöglicht, sich ganz auf die Stücke und ihr „Wa“ zu konzentrieren. Einer interessanten Einleitung zur kulturgeschichtlichen Bedeutung und Verwendung der jeweiligen Materialien folgen die großformatigen Objektbilder der entsprechenden Kategorie.

Neben der Abbildung wunderbarer Designobjekte aus allen möglichen Lebensbereichen auf besonderem Papier liefert dieses Buch zahlreiche, in Bezug auf japanisches Design relevante, Hinweise auf und Details zu japanischen Mythen und Legenden, wichtigen literarischen Werken, kulturellen wie religiösen Einflüssen und speziellen traditionellen Kunsttechniken. Damit ist den beiden Autorinnen ein optisch, haptisch wie inhaltlich einmaliges Werk gelungen, dessen „Wa“ man am besten in einem leeren Bücherregal zur Geltung bringt – und es griffbereit stellt, um immer einmal wieder darin zu blättern und zu lesen.

„Wa: The Essence of Japanese Design“ wurde hier in der englischen Fassung besprochen.

Die Autorinnen
Rossella Menegazzo ist Associate Professor für Geschichte der Ostasiatischen Kunst an der Università degli Studi von Mailand. Sie promovierte 2009 in Orientalistik an der Ca‘ Foscari Universität Venedig mit einer Dissertation über japanische Kunstgeschichte und Fotografie. Sie hat mehrere Veranstaltungen und Ausstellungen kuratiert und ist Autorin zahlreicher Texte zu japanischer Fotografie, Grafikdesign und Ukiyoe. Sie schreibt regelmäßig Beiträge in verschiedenen nationalen Zeitungen und schreibt Artikel über japanische Kultur und Kunst.

Stefania Piotti erhielt ihren BA in Ostasienstudien von der Ca‘ Foscari Universität Venedig, wobei sie sich spezialisierte auf japanische Textilien und die Entwicklung von Kimono-Design und Mustern. Sie arbeitete als Übersetzerin und wissenschaftliche Koordinatorin verschiedener Ausstellungen über japanische Kunst und als Herausgeberin von italienischen und englischen Publikationen wie „Imai. Eine Retrospektive“ (Electa, 1998), „Hokusai“ (Phaidon, 2004) und „Japan Style“ (Phaidon, 2007).

„Wa: The Essence of Japanese Design“
Autorinnen: Rosella Menegazzo, Stefania Piotti
Verlag:
Phaidon
Bezugsquelle: 
stationärer Buchhandel des Vertrauens, Kunstbuchhandlung; Amazon (online kaufen)

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