Hiroshige & Eisen: 69 Stationen japanischen Farbholzschnitts

Hiroshige Eisen Cover

Der Holzschnitt (Wikipedia) hat in Japan als besondere Form der Druckgrafik eine bis ins 8. Jahrhundert zurückreichende Tradition. Zunächst in rein religiösem Kontext verwendet, wurden Technik und Anwendungsgebiete kontinuierlich weiter entwickelt, bis im 17. Jahrhundert erste kommerzielle Verlage entstanden, die Holzschnitte verschiedener Künstler publizierten. Als besonders meisterhaft und stilprägend gelten die Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts entstandenen Drucke (jap. ukiyo-e = „Farbdrucke des Alltagslebens in der Edo-Periode“) von Utagawa Hiroshige (Wikipedia) – und Keisai Eisen (engl. Wikipedia). Der Verlag Taschen fasst deren gemeinsames Wirken an der Reihe „Die neunundsechzig Stationen des Kisokaidō“ in Grossformat und japanischer Bindung in einem imposanten Bildband zusammen.

Schon der traumhaft gestaltete, in seidig glänzendem Leinen bezogene Umkarton von „Die neunundsechzig Stationen des Kisokaidō“ verleiht der Ausgabe eine gebührende Wertigkeit und steigert die Vorfreude auf den folgenden Inhalt. Das im XL-Querformat gehaltene, auf doppelt gelegtem Papier bedruckte und auf japanische Art gebundene Buch ist eine Wucht. Schwer und weich liegt es auf den Armen und ist mit zwei Händen kaum zu halten. Um die Seiten ungehindert durchblättern, die Bilder studieren und den Band in seiner ganzen Pracht genießen zu können, empfiehlt es sich, das Buch auf einer ausreichend großen Fläche abzulegen.

Farbenprächtige Reise durch die Edo-Zeit

Hiroshige Eisen Doppelseite Einleitung

Hiroshige & Eisen. Die 69 Stationen des Kisokaidō, Taschen Verlag – Ausführliche Einleitung von Andreas Marks

Die querformatigen Abbildungen der Holzschnitte, denen zusammen mit der entsprechenden Erläuterung jeweils eine eigene Doppelseite eingeräumt ist, werden eingeführt durch mehrseitige, ebenfalls reich bebilderte Vorworte in deutscher, englischer und französischer Sprache. Interessant und ausführlich beschrieben wird das Thema der Serie, der Kisokaidō (auch Nakasendō), als eine der zentralen Hauptverkehrsstraßen zwischen dem damaligen Edo (heute Tokyo) und Kyoto, inklusive Entstehung, Besonderheit und Bedeutung als Motiv in der Holzschnittkunst. Auch die historischen Rahmenbedingungen der Druckgrafik im Japan des 19. Jahrhunderts sowie das Wirken der beiden Künstler Hiroshige und Eisen an den Blättern der Serie werden eingehend beleuchtet.

© Collection of Georges Leskowicz/TASCHEN - Die Station Fukaya, 1835 (Eisen, Tafel 10)

© Collection of Georges Leskowicz/TASCHEN – Die Station Fukaya, 1835 (Eisen, Tafel 10)

© Collection of Georges Leskowicz/TASCHEN Die Station Moriyama, 1837/38 (Hiroshige, Tafel 68)

© Collection of Georges Leskowicz/TASCHEN – Die Station Moriyama, 1837/38 (Hiroshige, Tafel 68)

Bei der Serie der 69 Stationen des Kisokaidō handelt es sich tatsächlich um 71 Einzelblätter, wobei von einer Station (Nakatsugawa) zwei Entwürfe existieren. Der in diesem Bildband abgedruckte Satz stammt aus der Sammlung von Georges Leskowicz und ist der einzige aus Erstauflagen und Erstdrucken bestehende. Die Bilder haben eine ungemeine Farbgewalt und an vielen Stellen überraschende Detailtiefe. Über die verschiedenen Stationen entlang der Reiseroute zwischen Edo und Kyoto begleitet der Betrachter die recht unbeschwert wirkenden Menschen der damaligen Zeit auf ihrem beschwerlichen Weg durch eine (nahezu) unberührte Landschaft. Wenngleich sich der Stil der beiden Holzschnittkünstler durchaus unterscheidet, fügen sich alle Blätter doch zu einer stimmigen Gesamtreihe zusammen. Während Eisen in seinen Arbeiten vornehmlich Personen sowie situative Tätigkeiten einfängt, zeichnet Hiroshige landschaftliche Szenerien voller Atmosphäre, in die sich die Menschen harmonisch einfügen.

Dieser gewaltige Bildband ist eine absolute Empfehlung für alle, die sich für das Japan vor Industrialisierung und Entwicklung hin zu einer der größten High-Tech-Nationen der Welt interessieren. Für alle Liebhaber der Holzschnittkunst sowieso.

Mit dem Band „Hiroshige & Eisen. Die neunundsechzig Stationen des Kisokaidō“ hat der Taschen Verlag bereits zum zweiten Mal Werke von Utagawa Hiroshige publiziert. Schon im Jahr 2008 erschien der Bildband „Hundert berühmte Ansichten von Edo“, leider inzwischen in der hochwertigen, großformatigen Ausgabe vergriffen, jedoch immer noch in der kleineren Variante, ebenfalls in japanischer Bindung und Box, erhältlich (nicht mehr beim Verlag direkt, jedoch beispielsweise über Amazon).

Hiroshige & Eisen. Die neunundsechzig Stationen des Kisokaidō
Japanische Bindung in einer Box, in Leinen gebunden, 44 x 30 cm, 234 Seiten, in einem Karton mit Tragegriff
Autoren:
Andreas Marks, Rhiannon Paget
Verlag:
Taschen Verlag
Bezugsquelle: Stationärer Buchhandel des Vertrauens; Taschen Verlag (online kaufen)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.