Issey Miyake: zeitloses (Mode)Design auf höchstem Niveau

Issey Miyake Cover Taschen Verlag

Issey Miyake hat als ungemeiner Visionär und Kreateur die Modeindustrie seit den 1960er Jahren weit über die Grenzen Japans hinaus geprägt. Mit seinen heute 80 Jahren (geb. 22. April 1938) ist der Modeschöpfer selbst nicht mehr aktiv, seine Marke jedoch nach wie vor präsent.  Mit „Issey Miyake“ hat der Taschen Verlag eine sagenhafte Monografie über den Designer und sein Wirken seit seinen Anfängen in den Siebzigern bis in die späten 1990er Jahre herausgegeben. Ein absolut sehens- und lesenswerter Wälzer von über 500 Seiten spannenden Portraits mit fantastischen Bildern, der bereits im Jahr 2016, zeitgleich zur Issey Miyake Ausstellung im National Art Center Tokyo erschien.

Issey Miyake Black dress

Buch „Issey Miyake“, Taschen Verlag, 2016

Miyake war von Beginn seiner Karriere an  Experimentalkünstler mit dem Anspruch, tragbare und vor allem bequeme Kleidung zu schaffen, die durch innovative Materialien und Formen aus der Masse heraussticht. Zunächst für Laroche und Givenchy tätig, gründete er 1970 sein eigenes Studio in Tokyo. Ende der 1970er Jahre monierte er die Qualität der Stoffe, die im Paris dieser Zeit von Fabrikanten in Mengen angeboten wurden. Nichts davon wäre etwas, das die Japaner gerne tragen würden. So begann er – und setzte diesen Weg über seine gesamte Laufbahn hinweg fort -, selbst Materialien zu entwickeln, die seine Ansprüche erfüllten.

„Kleider wie Haut“, „Design aus einem Stück Stoff“ („A Piece Of Cloth“/ „A-POC“), „Das Geheimnis der Falten“ (Pleats Please!) oder „Recycling zu schönster Form“ sind einige Beispiele für untrennbar mit dem Namen und dem Künstler Miyake verbundene Innovationen. Er schuf Kleider, die getragen werden konnten, wie eine zweite Haut – zart, leicht und eng anliegend, mit Bildern versehen, die an kunstvolle Tätowierungen im japanischen Stil erinnerten. In einem Land, in dem Tätowierungen die Zugehörigkeit zur Yakuza (Wikipedia) nahelegen und damit in der normalen Bevölkerung verpönt sind, erregte dieser Ansatz des „Tattoos für einen Tag“ großes Aufsehen.

A-POC making, Issey Miyake

Buch „Issey Miyake“, Taschen Verlag, 2016: Entstehtungsprozess eines A-POC

Einzigartig sind seine Kleidungsstücke aus einem einzigen Stück Stoff. Bei dieser für ihn zentralen Philosophie des Kleidungerschaffens ging es ihm nicht nur darum, neue Formen zu kreieren und die Schönheit und Textur des Materials zu betonen, sondern auch darum, kaum bis kein Material zu verschwenden. Das Ergebnis waren Kleidungsstücke, die teilweise ausgefaltet nahezu quadratisch waren, sich jeder Körperform anpassten, mit ihr spielten und durch das Zusammenspiel von Träger/in und Kleidungsstück zu ganz persönlichen und individuellen Teilen wurden.

Mit seinem Plissee-Look definierte er Formen der Bekleidung völlig neu. Mit den Bügelfalten fand er die Lösung für sein Ziel, eine japanische Antwort auf amerikanische Jeans und T-Shirts zu entwickeln: universell einsetzbare Bekleidung, originell, strapazierfähig und extrem praktisch. Durch die scharf gebügelten Falten nahmen die Kleider flach zusammen gelegt abstrakte Formen an, die aussahen wie eine Treppe oder ein Kreis, und die getragen mit dem Raum zwischen Körper und Stoff spielten.

Gefaltet und getragen Issey Miyake

Buch „Issey Miyake“, Taschen Verlag, 2016: Kleid und Ärmel, einmal getragen und daneben in gelegter Form

Aus recyceltem Polyester, das häufig für Plastikflaschen verwendet wird, entwickelten er und sein Team Kleider, die sich im ungetragenen Zustand praktisch von alleine, entlang ihrer Falten, vollständig flach zu geometrischen Formen zusammen legen und erst durch die Bewegungen der- oder desjenigen lebendig werden, die/der sie entfaltet und trägt. Ähnliche Formen in der gleichen Falttechnik charakterisieren auch die IN EI Lampen, die Miyake und das Team des Miyake Reality Lab für Artemide entwickelten.

Unerschöpfliche Schaffenskraft bis ins hohe Alter

Anders als die Mode seiner Zeitgenossen, den Designern Rei Kawabuko, Gründerin des Modelabels Comme des Garçons, und ihrem Ex-Mann Yohji Yamamoto, Gründer der gleichnamigen Modemarke, deren „Atomic-Chic“ zunächst von der Presse zerrissen wurde, stießen Miyakes zartere Kreationen von Beginn an auf mehr Gegenliebe. Seine Entwürfe versprühten den Optimismus, die Zukunftsgewandheit und die Modernität, die er der Mode verleihen wollte, als Gegengewicht zu all dem Schrecken, den er als einer der Hiroshima-Überlebenden zu spüren bekommen hatte. Miyake wagte – noch bis ins relativ hohe Alter – genial neue, oft schon poetische Ansätze, in denen sich Tradition und futuristische Technologien paarten und zu Stücken wurden, die Aufsehen erregten und dabei tragbar waren. Denn das war sein größtes Anliegen: Kleider zu entwerfen, die den Bewegungen des Körpers folgen, ihm Freiheit lassen und dabei bequem und praktisch sind.

Im zweiten Teil des Buches finden sich Fotografien der Miyake-Mode von Yuriko Takagi. Sie ist selbst eine großartige Künstlerin, die in ihren fotografischen Arbeiten das Zusammenspiel von Kleidung und Körper fokussiert und beleuchtet. Die Aufnahmen für Miyake wurden vornehmlich in Island in Szene gesetzt – einer wunderbaren Kulisse für die noch heute sehr futuristisch anmutenden Designs dieses grandiosen Modeschöpfers.

Issey Miyake
Autoren: Midori Kitamura (Konzept und Redaktionsdirektion)
Verlag:
Taschen Verlag
Bezugsquelle: Taschen Verlag (online bestellen); stationärer (Kunst-)Buchhandel des Vertrauens

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