Japanische Holzschnitte aus 250 Jahren

Einen der dominantesten japanischen Holzschnittkünstler des 19. Jahrhunderts, Utagawa Hiroshige, haben wir im Rahmen einer Bildbandrezension hier schon einmal näher beleuchtet. Der Beginn der Kunstform Holzschnitt in Japan liegt zwar einige Jahrhunderte früher im 8. Jahrhundert. Seine Hochphase erreichte er jedoch erst zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert. Einblick in die enorme Bandbreite von Werken und Künstlern aus dieser Zeit gewährt ein Ende 2019 erschienener großformatiger Bildband aus dem Taschen Verlag. „Japanese Woodblock Prints“ ist ein nahezu handbreitendickes, im Format 29 x 39,5 cm gebundenes Buch, das in Worten und sagenhaften 200 Abbildungen von 89 Künstlern aus zweieinhalb Jahrhunderten (1680-1938) Schaffenskraft erzählt.

Von alten Meistern zu neuen Drucken

Der Bildband ist mit annähernd 6 kg Gewicht durch seine 622 Seiten mit Abbildungen, ausführlichen Beschreibungen und Erläuterungen in drei Sprachen (englisch, deutsch, französisch) ein wahres Schwergewicht. In sieben Kapiteln führt er durch die Zeit der frühen Meister und die Anfänge des Vielfarbendrucks hin zum Goldenen Zeitalter, über die Auseinandersetzung mit der Zensur und den Höhepunkt der Produktion bis in die letzte Phase des traditionellen Holzschnitts, um im letzten Teil mit Shin Hanga, „neuen Drucken“, aus der Zeit von 1916 bis 1938 abzuschließen.

Holzschnittmotive: schöne Frauen und die Promis der damaligen Zeit

Sharaku (Aktiv 1794-1795), Schauspielerbild

Die gängigsten Sujets im japanischen Holzschnitt waren Abbildungen von Schauspielern aus dem Kabuki (mehr bei JAL), schönen Frauen, Landschaften sowie Blumen und Vögeln. Dabei kam Schauspielerbildern, berühmten wie verehrten Persönlichkeiten, über die gesamte Zeit die bedeutendste Rolle zu, für Künstler wie Abnehmer. Daneben wurden Bilder von Sumokämpfern und Gesellschaften, Kriegerbilder, Buchillustrationen, erotische Abbildungen (sogenannte Shunga) sowie humoristische und satirische Motive produziert.

Stil, Form und Moral im Verlauf der Zeit

Kitagawa Utamaro (1753-1806), Powdering the neck, c. 1795/96
Kitagawa Utamaro (1753-1806), Powdering the neck, c. 1795/96

Die wunderschönen, mehrheitlich großformatig abgebildeten Drucke in dem vorliegenden Bildband sind beeindruckende und ausgewählte Zeitzeugnisse. Sie veranschaulichen Entwicklung und Veränderung, sowohl in Bezug auf Ästhetik, Formate und Techniken des Holzschnitts, wie auch auf gesellschaftliche, bürokratische und moralische Aspekte in Japan über einen Zeitraum von 250 Jahren. Die Zusammenstellung der Künstler und Werke beschränkt sich nicht auf die bekanntesten Werke oder namhaftesten Akteure, sondern nimmt eine Vielzahl an Künstlern in den Blick, die in der jeweils beschriebenen Zeitspanne tätig und dafür mehr oder weniger prägend waren.

17 Drucke erhalten in dem Bildband auf ausklappbaren Seiten und damit nahezu 90 cm Breite besonders starke Präsenz. Darunter ein Triptychon von Utagawa Kuniyoshi (einer der drei stilbildenden Meister seiner Zeit), das von einem überdimensionierten Skelett beherrscht wird.

Triptychon von Utagawa Kuniyoshi (1789-1861)
Utagawa Kuniyoshi (1789-1861), unbetiteltes Triptychon

Alleine schon der hervorragenden, abwechslungsreichen, intensiven Bilder wegen, ist „Japanese Woodblock Prints“ absolut empfehlenswert. Zudem machen zahlreiche Zusatzinformationen zur Geschichte des Holzschnitts und den einzelnen Künstlern und Werken aus diesem Bildband ein wunderbares Nachschlagewerk.

Japanese Woodblock Prints – Japanische Holzschnitte (1680–1938)
Hardcover, 29 x 39,5 cm, 622 Seiten, 150 Euro
Autor: Andreas Marks
Bezugsquelle: Taschen Verlag (online bestellen); stationärer Buchhandel des Vertrauens

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