Mayonnaise japanisch perfektioniert

Japanische Mayonnaise

Der Begriff ist gleich, doch geschmacklich liegen Welten zwischen der bei uns handelsüblichen und der japanischen Mayo. Japanische Mayonnaise? Was als Widerspruch in sich erscheint, gibt der japanischen Küche an vielen Stellen einen ungemein delikaten Kick.

Denkt man an japanische Küche, fällt einem in der Regel vor allem und zuerst einmal eine wesentliche Würze ein: Sojasauce. Gar nicht wenigen Gerichten dient allerdings auch eine ganz andere Soße der geschmacklichen Verfeinerung: Mayonnaise. Fein wird sie verwendet und fein schmeckt sie, intensiv würzig mit leicht senfartigem Unterton, völlig anders, als die in unseren Breitengraden zu Pommes und ähnlichem gereichte. Sie ist dickflüssiger und hat einen intensiveren Gelbton, was wohl an dem höheren Gehalt an Eigelb liegt, den japanische Mayonnaise auszeichnet. Sie ist schlichtweg die perfektere Version der uns bekannten.

Kartoffelsalat mit japanischer MayonnaiseEine Variante des japanischen Kartoffelsalates kommt ohne Mayonnaise ebenso wenig aus wie Takoyaki (kleine Teigbällchen mit Oktopus). Okonomiyaki (auf einer heißen Platte zubereitete Mischung aus Kohl, Ei, Teig und Dashi,  zusätzlich nach Wahl zum Beispiel mit gebratenem Fisch, Meeresfrüchten oder Fleisch „belegt“) werden vor dem Verzehr mit der hellen Soße kunstvoll verziert. Aber auch zu Tonkatsu (japanisches Schnitzel) schmeckt diese Würze hervorragend. Seit wir den Geschmack das erste Mal gekostet haben, ist unsere Küchenschublade immer mit mindestens einer Flasche auf Vorrat gefüllt.

Japanische Mayonnaise mit buddhaeskem Engels-Logo

Die wohl bekannteste Marke ist Kewpie (jap. キューピー), die 1925 mit ihrer – der ersten japanischen – Mayonnaise auf den Markt kam. Der Name stammt, man ahnt es, nicht aus dem Japanischen, sondern aus dem Amerikanischen. Genauer gesagt, von den Kewpie-Puppen der amerikanischen Künstlerin, Comiczeichnerin und Illustratorin Rose Cecil O’Neill (1874-1944). Die von ihr zunächst als Comicfiguren, später als richtige Puppen, entwickelten engelhaften Wesen erreichten Japan um 1913 herum und lösten dort einen wahren Hype aus, der bis heute in vielerlei Ausformung anhält. Die geschlechtslosen Kewpies wurden und werden nach wie vor unter anderem von Firmen für Marketingzwecke eingesetzt. (Anmerkung: Interessante Hintergrundinformationen zu der Geschichte der Kewpies weltweit und in Japan liefert die Japanologin Beate Wonde auf Ihrer Webseite; s. auch Screenshot unten)

In Japan kommerzialisierte Kewpie-Figuren

Bildauszug: kommerzielle Nutzung der Kewpies in Japan (von Beate Wonde)

erhabenes Logo auf MayonnaiseflascheSo ziert also auch die Kewpie-Mayonnaise ein stilisiertes Kewpie-Engelchen, das sich die Firma offenbar frühzeitig für seinen Markt patentieren ließ – bevor die Schöpferin oder ihre Nachfahren ihre Rechte geltend machen konnten. Ein bisschen japanisch mutet das Logo immerhin an. Das geschlechtslose Figürchen mit dem runden Bäuchlein wirkt wie eine Kreuzung aus wohlgenährtem Buddha und kleinem Kind, das furchtbar gerne japanische Mayonnaise isst.

Kewpie Mayonnaise
Bezugsquellen: Japanische Supermärkte, wie das Mikado in München (mit Lieferservice); gut sortierte Asia-Märkte; Amazon: (online bestellen)

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