Kampf um beste japanische Küche

Die japanische Küche ist eine der ausgefeiltesten und ausgewogensten überhaupt. In diesem delikaten Umfeld ist die Manga-Reihe Oishinbo (von oishii = köstlich und koishimbo = Gourmet) angesiedelt. Autor Tetsu Kariya und Mangaka Akira Hanasaki lassen in ihrer mehrbändigen Geschichte einen kulinarisch versierten Journalisten und seinen Vater, bekannt für seinen ausgezeichneten Geschmack und gefürchtet für seinen Jähzorn, gegeneinander antreten, um das ultimative japanische Menü zu erstellen.

Zum Jubiläum nur das Beste

Zum 100jährigen Bestehen seiner Zeitschrift Tōzai News plant der Verlag das „ultimative Menü“ zu kreieren und zu publizieren, das den Gipfel der japanischen Küche verkörpern soll. Den Auftrag dazu erhält der bei ihnen angestellte, ausgesprochen zynische und träge Journalist Shirō Yamaoka, der jedoch über einen besonders feinsinnigen Gaumen und ein nahezu unerschöpfliches Wissen über die japanische Küche verfügt.

Kurz darauf verfolgt auch die konkurrierende Zeitschrift Teito Times eine ähnliche Idee und versucht, mithilfe Shirōs Vaters, bekannter Keramik-Künstler sowie Gründer und Direktor des Gourmet Clubs, ein „supreme menu“ zusammen zu stellen. Der Rivalität von Vater und Sohn, deren Verhältnis ohnehin bereits mehr als angespannt ist, sind damit Tür und Tor geöffnet, der Kampf um den erlesensten Geschmack, die fundiertesten Kenntnisse und das beste japanische Menü kann beginnen.

Cover der sechs Oishinbo Ausgaben zur japanischen KücheIn Japan gibt es bestimmte Kategorien von Gerichten, die als eigene Disziplinen gepflegt werden. Diesem Prinzip folgend tauchen der Protagonist Shirō, seine Begleiter und sein Konkurrent in jedem Band von Oishinbo in die kulinarischen Geheimnisse rund um 1) die fundamentalen Zutaten der japanische Küche (Japanese Cuisine), 2) mehr dazu weiter unten, 3) Reis als Grundnahrungsmittel (The Joy of Rice), 4) Fisch (Fish, Sushi & Sashimi), 5) Nudelsuppen & Teigtaschen (Ramen & Gyōza), 6) Gemüse (Vegetables) sowie 7) Kneipenessen (Izakaya: Pub Food) ein.

Cover der Oishinbo Ausgabe SakeDer schon oben erwähnte Teil 2) Sake widmet sich unter anderem traditionellen japanischen alkoholischen Getränken wie Sake und Shōchū. Es ist der einzige Band, in dem sich die Männer auf die Suche nach einem geeigneten Drink als passende Begleitung für das perfekte Menü begeben. Dabei  entdecken und verkosten sie unter anderem auch eine ganz besondere, aus Okinawa stammende und nur dort produzierte Spezialität namens Awamori (engl. Wikipedia), der, so lernen wir, bei Fasslagerung von mehr als 3 Jahren Kūsū genannt wird.

Japanische Küchenkunde vom Feinsten

Abbildung von Gerichten in einer Oishinbo AusgabeIst die Geschichte auch fiktiv, so gibt Oishinbo doch intensive Einblicke in die wahre japanische Esskultur, deren große Bedeutung für die Japaner, ihren feinen Geschmackssinn und hohen Qualitätsanspruch. Die Zeichnungen, insbesondere von Speisen und Getränken, sind ungemein fein und appetitlich. Die Story ist intelligent, spannend und witzig, die thematische Detailtiefe der einzelnen Bände erstaunlich und das damit vermittelte Wissen enorm. Oishinbo zählt damit zu den sogenannten Educational Manga.

Manche Szenen kann vielleicht nur nachvollziehen, wer schon einmal in Japan war oder regelmäßig mit Japanern in Kontakt ist. Dann lassen sich an der ein oder anderen Stelle herzhafte Lacher kaum unterdrücken. Einiges wirkt nämlich unglaublich überspitzt, ist es allerdings tatsächlich kaum. Ergänzt wird jeder Band um Anmerkungen zum Text, also Erläuterungen einzelner Begriffe oder Hintergrundinformationen und einen Autorenkommentar „Oishinbo Day-by-Day“. Außerdem findet sich eine Seite mit Rezepten, die in dem jeweiligen Band vorkommen, gleich auf der ersten Seite.

Ich habe Oishinbo innerhalb kürzester Zeit verschlungen und fand es sehr schade, dass nach sieben Bänden schon Schluss war. Im Japanischen ist die Reihe inzwischen auf über 100 Bände angewachsen. Ins Englische übersetzt wurden daraus nur Teile, nach Angaben des amerikanischen Verlegers VIZ Media die bisherigen Highlights. Daher auch der Nebentitel „A la Carte“ der englischen Ausgaben. Vielleicht wird irgendwann doch eine umfangreichere Übersetzung realisiert – gerne auch ins Deutsche!

Die hier besprochene Manga-Reihe erschien auf Englisch im VIZ Media Verlag. Leserichtung rechts nach links wie im Japanischen.

Oishinbo A la Carte
Autoren: Tetsu Kariya (Text), Akira Hanasaki (Zeichnung)
Verlag: VIZ Media, LLC
Bezugsquelle: Stationärer Buchhandel des Vertrauens, Amazon (online kaufen)

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