Wohnraumgestaltung in japanischer Adels-Manier

Tatami. Man kennt sie (zumindest) von Bildern. Für mich sind die aus hellem Igusa gefertigten Matten der Inbegriff japanischer Klarheit, Aufgeräumtheit und wohnlicher Wärme.

Wunderschön. Duftig. Angenehm. Leise. Die originär japanischen Bodenmatten vereinnahmen im direkten Kontakt augenblicklich nahezu alle Sinne. Faszinierend ist vor allem ihre beruhigende Wirkung für das Auge, die sich sofort auf den gesamten körperlichen wie geistigen Zustand überträgt. Insbesondere bei Räumen, in denen sie richtig zur Geltung kommen, indem sie relativ unverstellt ausgelegt sind.

Ursprünglich nur Adeligen vorbehalten, avancierten Tatami ab Ende des 17. Jahrhunderts zum populären und klassischen Bodenbelag japanischer Wohnstätten, Teehäuser und Tempel. Darüber hinaus werden auf ihnen viele japanische Kampfsportarten ausgeübt. Aus Igusa-Gras gefertigt, verleihen sie Räumen neben Struktur und warmer Ausstrahlung einen wunderbar natürlichen Geruch, geben weichen und dabei stabilen Halt, schützen vor Bodenkälte und dämpfen Schritte.


Nicht nur läuft es sich auf Tatami wunderbar angenehm – aufgrund ihrer empfindlichen Oberfläche werden sie nur barfuß oder mit Strümpfen betreten. Sie dien(t)en zudem als Grundlage für die nächtliche Schlafstätte. Lediglich ein Futon (
Anmerkung: japanische Variante einer Matratze, originär aus mehreren Lagen reiner Baumwolle) wurde und wird nachts auf ihnen ausgebreitet. Fertig ist der unglaublich bequeme Schlafplatz, den man heute noch in typischen Ryokans sowie in Tempeln, die Gäste aufnehmen, erleben kann.

Für den Westen modifiziert

Original japanische Tatami haben eine Dicke von 5,5 cm und feste Längen- und Breitenmaße, die je nach Region (insgesamt drei) leicht variieren. Zudem gibt es heute ein überregional gültiges Sondermaß für Büro- und Wohnräume. Die in Kyōto, viele Jahrhunderte lang Sitz des kaiserlichen Hofes, gebräuchlichen Matten messen 95,5 x 191 cm. Ursprünglich galten Tatami, entgegen der bei uns geläufigen qm, als Raummaß.

Die japanischen Original-Maße sind für typisch westliche Wohnraumsituationen eher ungeeignet. Um Attraktivität und Verwendbarkeit zu steigern, sind die Matten hierzulande nicht nur in den Maßen 90 x 180 cm und 90 x 90 cm, sondern in zahlreichen alternativen Abmessungen und unterschiedlichen Stärken erhältlich. Insbesondere beim Kauf als Schlafgrundlage sollte vor allem der Stärke der Matten eigenes Augenmerk geschenkt werden. Denn ähnlich des Härtegrades eines Lattenrostes in Kombination mit der Matratze, beeinträchtigt die Stärke der Tatami in Kombination mit dem Futon die Liegeeigenschaft. Je dünner die Matten, desto härter liegt man.

Kinder-Schlafstätte und Spielwiese

Wir haben nach der Rückkehr von unserem ersten Japan-Urlaub aus Überzeugung von Bett mit Matratze auf Tatami und Futon umgestellt. Selbst unser Sohn schläft seit seiner Geburt darauf. Auch als Spielfläche liebt er diese samtig anmutende Unterlage. Wir fanden es ungemein praktisch, uns nicht mit diversen Baby- und Kleinkind-Betten auseinander setzen zu müssen. Denn wer ebenerdig schläft, kann auch nicht fallen. Tagsüber sind Futon und Bettzeug schnell in einer Kiste oder einem Schrank verstaut. Damit ist das ganze Zimmer eine einzige Spielwiese. Dazu haben sich unsere Tatami als ausgesprochen robust erwiesen. Inzwischen sind sie zwar an mancher Stelle etwas abgenutzt, dafür wurden sie jedoch auch lange genug malträtiert. Die dadurch erzielte, besondere Patina, die diese Matten inzwischen erlangt haben, lohnt darüber hinaus schon wieder einen ganz eigenen Beitrag auf japeau.

Bezugsquellen Tatami:
Gute japanische Einrichtungshäuser, wie Japanalia in München (leider nur sehr minimalistisch online vertreten) oder Saroshi in Hamburg (zur Webseite)l

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