Pluto: Neuinterpretation von Astro Boy

Pluto

Osamu Tezuka gilt als der „Gott des Manga“ (und wir haben hier bereits über seine Werke „Kimba, der weiße Löwe“, „Kirihito“ und „Black Jack“ geschrieben). Kein Künstler hat japanische Comics und Anime so nachhaltig geprägt, wie der Vielarbeiter aus Osaka, der in seinem verhältnismäßig kurzen Leben auf eine Produktion von über 150.000 Seiten Manga kam (einen tollen Überblick über Tezukas in westlichen Übersetzungen vorliegendes Werk bietet die Website „Tezuka In English“).

Der Held aus der Kindheit

Mit am Anfang des gigantischen Ruhms von Tezuka stand „Astro Boy“ – vom Autor auch umgesetzt als erste Anime-Serie aus Japan, die es über den großen Teich in die Vereinigten Staaten schaffte und dort für den Durchbruch von Trickfilmserien aus Japan sorgte. Klar also, dass viele heutige Manga-Stars in ihrer Kindheit und Jugend von Osamu Tezukas Werken beeinflusst wurden. So auch Naoki Urasawa (der hierzulande mit den beiden Serien „20th Century Boys“ und „Monster“ unter Manga-Fans bekannt wurde).

 

Pluto Urasawa: Der kindliche Stil von Astro Boy unterscheidet sich sehr von Naoki Urasawas Neufassung der Geschichte.

Der kindliche Stil von Astro Boy unterscheidet sich sehr von Naoki Urasawas Neufassung der Geschichte.

„Der größte Roboter auf Erden“ heißt die zwischen 1964 und 1965 veröffentlichte Astro-Boy-Geschichte (in Deutschland in Band 3 der „Astro Boy“ Serie bei Carlsen erschienen), die der junge Naoki Urasawa bis ins Erwachsenenalter in Erinnerung behielt. „Pluto“ ist darin ein böser Superroboter, der andere Roboter rund um den Globus auf dem „Kieker“ hat. Zerstörung ist seine Mission und auch Astro Boy tut sich schwer im Kampf mit dem Giganten. Die Story ist für Tezukas Kinder-Manga-Phase relativ düster und komplex; und deutet schon ein wenig auf das hin, was ab den späten 60er Jahren den erwachseneren Ansatz Tezukas, der ebenfalls großen Einfluss auf das Werk Naoki Urasawas hatte, bestimmen sollte.

 

Ein Manga mit Perspektivwechsel

Aus heutiger Sicht ist die über 50 Jahre alte Geschichte allerdings auch relativ simpel. Das dachte sich wohl auch Naoki Urasawa und beschloss, das Werk als Basis für seine Geschichte „Pluto“ zu nutzen. Dabei erzählt „Pluto“ im Kern die gleiche Geschichte wie „Der größte Roboter auf Erden“, allerdings nicht aus Sicht von Astro Boy (oder „Atom“, wie er sowohl im japanischen Tezuka-Original, als auch hier heißt) erzählt, sondern aus der Perspektive des deutschen Polizei-Roboters „Gesicht“, der Morde an Robotern und Roboterexperten untersucht. 

Pluto Urasawa Buchseiten

Naoki Urasawas Charaktere erinnern zwar an die Vorbilder aus Osamu Tezukas Werk, aber sie haben eine ganz neue Tiefe

Wo Tezukas Roboter eigentlich nur „starke Maschinen“ sind, da transportiert Naoki Urasawa das Roboterthema ins 21. Jahrhundert. Die in den mittleren 2000ern entstandene Serie (in 8 buchdicken Bänden erschienen) verhandelt dabei vor allem die Frage nach Menschlichkeit bei Robotern, die Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz und den Zeitpunkt, zu dem die AI uns Biomenschen auch gefühlsmäßig überlegen sein wird. Tezukas etwas holzschnittartige Story wird dabei in faszinierende Tiefen weiterentwickelt, in denen Kriegspropaganda ebenso diskutiert wird, wie die Frage nach einem Adoptionsrecht für Roboter. 

Wer spannende Mangakost für Erwachsene schätzt, die absolut aktuelle Themen behandelt, der kommt an „Pluto“ von Naoki Urasawa nicht vorbei.

Pluto (Band 1-8)
Autor: Naoki Urasawa
Verlag: Carlsen Verlag
Bezugsquelle: Amazon (online kaufen)

Astro Boy: Der größte Roboter auf Erden (Astro Boy Band 3)
Autor: Osamu Tezuka
Verlag: Carlsen Verlag
Bezugsquelle: Amazon (online kaufen – derzeit nur gebraucht erhältlich)

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