Das Geheimnis der japanischen Gärten

The Japanese Garden Cover

Die Faszination für japanische Gärten begleitet mich schon viele Jahre lang. In dem tollen Buch „The Japanese Garden“ von Sophie Walker, das 2017 im Phaidon Verlag erschienen ist, kann ich anhand Abbildungen und Beschreibungen in 90 ausgewählte, unsagbar schöne Gärten eintauchen und finde einige wieder, in denen wir während unserer vergangenen Japanreisen bereits selbst gewandelt sind.

Das 304 Seiten umfassende Buch im Format 270 x 205 mm kommt in einem grün eingefassten Kartonumschlag mit runder Aussparung auf dem Cover daher. In Anlehnung an die in Tee- und Gartenhäusern sowie Meditationshallen häufig eingesetzten runden Fenster und explizit an das berühmte runde „Fenster der Aufklärung“ (engl. „windows of enlightenment“) im Tempel Genkō-an in Kyoto. Aufklären will auch dieses Buch, indem die Fotos der kontemplativen Gärten textlich in Perspektive gesetzt werden zu unterschiedlichen Aspekten der japanischen Kultur und deren vielfältige Einflüsse auf und Zusammenhänge mit der japanischen Gartengestaltung.

The Japanese Garden Satori no Mado

(c) Phaidon / Sophie Walker, The Japanese Garden – Linke Seite: Satori no Mado (window of enlightenment), rechte Seite: Mayoi no Mado (window of delusion); Tempel Genkō-an, Kyoto

Die Natur des japanischen Gartens beschreibt die Autorin in ihrer Einleitung unter anderem mit dem Satz: „The well-tended Garden is a shared space where nature and human intention exist not simply alongside each other, but in a deep and real engagement with each other.“ (dt. in etwa „Der gut gepflegte Garten ist ein Raum des Miteinanders, in dem Natur und menschliches Vorhaben nicht nur koexistieren, sondern in einem tiefen und wahren gegenseitigen Versprechen zueinander stehen“). Die folgenden Kapitel behandeln Einflussfaktoren wie Terror und Macht – auch und insbesondere in Form der in Japan allgegenwärtigen Naturgewalten wie Vulkanausbrüche, Erdbeben, Tsunamis -, Buddhismus, Shinto und Zen, das Verborgene, Implizite und Imaginierte, Tod und Tee(-Zeremonie) sowie Zeit und Raum als prägend für die japanische Gartengestaltung. Ein eigenes Kapitel ist den Hofgärten (jap. tsubo niwa), gewidmet, der häufigsten Form der Gartengestaltung, die nicht nur in Tempelanlagen oder Palästen, sondern auch in Gast- und Privathäusern zu finden ist.

Japans Gärten inspirieren westliche Intellektuelle

Intellektuelle und Künstler aus der westlichen Welt haben sich bei Japanreisen von den meisterhaft konzipierten und gestalteten Gärten inspirieren lassen. Darunter der Architekt und Gründer des Bauhauses, Walter Gropius, der Japan 1954 bereiste und tief beeindruckt war von der Gartenkultur, der bis ins letzte Detail durchgängigen, baulichen Perfektion des wohl bedeutsamsten Shintō-Schreins Ise Jingū (engl. Webseite) und seiner faszinierenden Gartenanlage, und von der Kunst des Zen.

Auch der US-amerikanische Komponist John Cage (Wikipedia), passionierter Schüler des Zen-Meisters und Autoren Daisetsu Teitaro Suzuki (Wikipedia), ließ sich in musikalischer wie visueller Hinsicht nicht nur vom Buddhismus, sondern unter anderem auch von Tempeln und Gärten anregen, die er zusammen mit David Tudor (Wikipedia) im Rahmen einer sechswöchigen Tournee durch Japan im Jahr 1962 unternahm.

Eine zusätzliche spannende Note verleihen diesem Buch insgesamt sieben Essays namhafter Persönlichkeiten zu deren ganz eigener Sichtweise auf die japanische Form der Gartengestaltung. Zu Wort kommen unter anderem der japanische Star-Architekt Tadao Andō, der Bildhauer Anish Kapoor und der britische Mathematiker und Autor Marcus du Sautoy. Abschließend liefert die Autorin eine übersichtliche Reihe von in der japanischen Gartengestaltung typischen Pflanzen inklusive Abbildungen und symbolischen Bedeutungen. Dabei reicht die feine Auswahl von größeren Pflanzen wie Bambus, Magnolien und Pinien über Farne und verschiedene Blumenarten wie Astern und Lilien bis hin zu feinsten Moosen.

Dieses Buch ist ein Schatz, enthält atemberaubend schöne Abbildungen, stellt zahllose höchst interessante Querverbindungen her, gibt neue Denkanstöße und vermittelt in gelungener Weise ein Bild des größeren Ganzen, aus dem sich die japanische Gartenkultur und Gartenkunst zusammensetzt.

Das Buch ist erschienen in englischer Sprache.

The Japanese Garden
Autorin: Sophie Walker
Verlag: Phaidon
Bezugsquelle: stationärer Buchhandel des Vertrauens; Phaidon (online bestellen); Amazon (online bestellen)

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